Wie ich bewerte

Eine Rezension ist immer eine subjektive Sache. Das ist auch gar kein Fehler im System, sondern der eigentliche Sinn der Übung. Die wichtigste Frage bei meinen Rezensionen ist daher: wie gut gefällt mir das Spiel? Würde ich es persönlich weiterempfehlen, es weiterhin meiner Frau oder einer Spielegruppe vorsetzen? Dabei versuche ich einerseits meine Entscheidungsfindung so klar wie möglich offen zu legen und andererseits möglichst konsistent zu sein. Das Ergebnis sind dann hoffentlich Rezensionen, mit denen Ihr als Leser etwas anfangen könnt – und sei es nur dadurch, dass Ihr wisst, dass ich diese oder jene Spielmechanik liebe, die Ihr selbst grundsätzlich für Grütze haltet.

Für meine Rezensionen habe ich mich aus pragmatischen Erwägungen für ein Schulnotensystem entschieden. Benotet wird von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“). Die Gründe dafür sind einfach: das System ist eingängig und im deutschsprachigen Raum weithin bekannt. Ein Spiel, das die Note „befriedigend“ bekommt, hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht. Es ist grundsolide und macht eigentlich vieles richtig. Es macht halt nur nichts spektakulär Neues und Aufregendes, das mich nachhaltig zu fesseln vermag.

Nun hilft es ja nichts, wenn Terra Mystica ein großartiges Spiel ist und die Note „sehr gut“ absahnt – zum Spielen mit der Oma und dem Achtjährigen ist es wahrscheinlich trotzdem nicht das richtige. Daher versuche ich außerdem eine grobe Einschätzung der Komplexität dazu zu liefern.

Familienspiele richten sich in erster Linie an Gelegenheitsspieler (idealerweise spielt hier natürlich auch der Vielspieler gerne mit). Die Regeln sind normalerweise relativ schnell erklärt und eingängig. Geschicktes Taktieren und Glück prägen das Spielgefühl meist gleichermaßen. Familienspiele tendieren dazu eher kürzer zu sein – die meisten lassen sich in maximal 30-45 Minuten spielen. Der bekannteste Brettspielpreis der Welt, das Spiel des Jahres, zeichnet die besten Familienspiele des Jahres aus.

Kennerspiele richten sich an Spieler, die häufiger spielen und öfter mal etwas Neues ausprobieren. Die Regeln können dementsprechend etwas komplexer sein, da das anvisierte Publikum etwas mehr Routine beim Lernen hat. Glück spielt immer noch eine Rolle, beeinflusst das Spielgeschehen jedoch typischerweise nicht so stark wie bei Familienspielen. Kennerspiele sind oft etwas länger als Familienspiele – eine typische Runde dauert oft 45-90 Minuten. Die Spiel des Jahres Jury zeichnet seit 2011 das Kennerspiel des Jahres aus.

Expertenspiele richten sich an Vielspieler und verfügen über eine deutlich höhere Einstiegshürde als Familien- und Kennerspiele. Das kann an der Vielzahl der ineinander greifenden Mechanismen oder der Komplexität der möglichen Züge liegen. Glück spielt eine geringe Rolle, und in kompetitiven Spielen wird der erfahrenere Spieler den Anfänger normalerweise schlagen. Expertenspiele müssen zwar nicht lang sein, aber die meisten langen Spiele (90-240 Minuten und länger) sind Expertenspiele.

Ab und an schaue ich auch mal über den Tellerrand hinaus und schreibe über Rollenspiele und Tabletop-Miniaturenspiele. Beide sind eigentlich ein eigenes Hobby für sich und passen daher nicht in das oben beschriebene Schema.