Punktesalat (Rezension)

Irgendwann im Laufe dieser Pandemie hatten wohl viele schon diesen Moment, in dem man denkt: Schluss mit dem ganzen Bestellfutter, ich muss mich mal endlich wieder gesünder ernähren! Ich kann stolz sagen, dass der Anfang bei mir gemacht ist. Ich bestelle zwar immer noch viel zu viel Pizza, aber wenigstens kommt bei uns nun regelmäßig Punktesalat auf den Tisch!

Punkte, Punkte, noch mehr Punkte!

Der Begriff „Punktesalat“ ist Vielspielern sicherlich geläufig – normalerweise denkt man dabei an – häufig recht abstrakte – Spiele, in denen man links und rechts für alles, was man tut, mit Punkten zugeschmissen wird. Der König des Punktesalats ist Stefan Feld, dessen Spiele (z. B. Die Burgen von Burgund) häufig in diese Kategorie fallen.

Ich oute mich auch gleich mal: ich mag Punktesalat-Spiele. Nichts gegen Spiele, bei denen man sich durch das fokussierte Durchziehen einer Strategie jedes Pünktchen hart erarbeiten muss, aber manchmal fühlt es sich einfach gut an, wenn einen ein Spiel für so ziemlich alles mit Belohnungen überschüttet.

Oprah Meme - You all get some points!

Das kleine Kartenspiel Punktesalat von Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich kommt deutlich kleiner daher als das typische Punktesalat-Eurogame: eine Partie zu dritt ist locker in 20 Minuten gespielt. Thematisch wurde hier das Spielkonzept konsequent weitergedacht, indem Punktesalat-Mechaniken mit, nun ja, einem Salat-Thema versehen wurden. Endlich mal ein frisches Thema (Pun intended), denn ich habe bislang zumindest deutlich weniger Spiele mit Food-Thema als z. B. mit dem Thema „Renaissance in Italien“ im Schrank stehen. Auch die grafische Gestaltung kommt sehr appetitlich und knackig daher und gefällt mir wirklich gut.

Ziel des Spiels ist es, durch das Sammeln von Gemüsekarten möglichst viele Punkte zu sammeln. In jeder Runde nehmen wir entweder zwei von sechs offen ausliegenden Karten, oder eine der verdeckten Karten von den drei Nachziehstapeln. Der Clou ist, dass die Vorderseiten der Karten sechs verschiedene Gemüsesorten zeigen, die Rückseiten dagegen verschiedene Siegpunktebedingungen, die unserer Rohkost-Sammelwut überhaupt erst eine Richtung geben: mal gibt es Punkte für jede Zwiebel und Karotte, aber Minuspunkte für Paprika, mal für Sets aus zwei oder drei Gemüsesorten, mal dafür, am wenigsten oder am meisten von einer Sorte zu haben.  Siegpunktekarten dürfen jederzeit auf die Gemüse-Seite gedreht werden, umgekehrt ist das allerdings nicht erlaubt.

Punktesalat Kartenauslage
Aus dieser Auslage können wir zwei offene (Gemüseseite) oder eine verdeckte Karte (Punkteseite) nehmen.

Wie nahrhaft ist der Punktesalat?

Punktesalat ist ein sehr zugängliches, „schlankes“ Spiel, in dem ich in einem sehr kurzen Zeitrahmen muss ich immer wieder taktische Entscheidungen treffen muss: Nehme ich jetzt mehr Gemüse, das ich für meine bestehenden Punktekarten gebrauchen kann, oder nehme ich eine Punktekarte, und riskiere dafür, dass mir jemand mein Gemüse wegschnappt? Nehme ich Karten, nur um meinen Mitspieler*innen etwas zu verweigern (das gute alte „Hatedraften“)?  Die wunderbarste Zwiebel-Kohl-Punktemaschinerie bringt mir am Ende wenig, wenn mir am Ende genau diese Karten weggeschnappt werden. Umgekehrt brauche ich auch kein Möhren-Monopol aufbauen, wenn dann am Ende nur magere 1-2 Pünktchen pro Rübe herausspringen.

Meine Bewertung des Spiels fußt auf ca. 20 Runden Punktesalat zu zweit und zu dritt. Für beide Spielerzahlen ist Punktesalat sehr gut als „Absacker“ oder als kleine spielerische Zwischenmahlzeit geeignet. Zu dritt gefällt es mir  noch einen Tick besser, da hier mehr Karten jeder Sorte im Spiel sind, und man sich noch etwas stärker „spezialisieren“ kann. So oder so – nach ein bis zwei Partien habe ich das Gefühl, meine kleinen grauen Zellen mit einem Mini-Euro aufgewärmt zu haben. Ein anschließender Hauptgang à la Burgen von Burgund ist dann gern gesehen, aber kein Muss – für den kleinen Hunger reicht der flotte Gemüse-Mix.

Punktesalat Karten am Spielende
So könnte der Salat zum Spielende aussehen.

Mein größter Kritikpunkt ist der Aufbauaufwand: das Kartendeck muss für die Spielerzahl passend aus einer bestimmten Anzahl von Karten jeder Sorte zusammengestellt werden. Gerade bei zwei Spielern dauert das Zusammenstellen und anschließende Auseinandersortieren der Karten fast so lange wie das Spiel selbst. Bei zwei Spielern kann man immerhin gleich Decks für drei Runden, bei drei Spielern für zwei Runden zusammenstellen. Trotzdem, einen Salat so lange zubereiten, und dann so flott zu konsumieren – so richtig satt macht das nicht. Vielleicht probieren wir das Spiel zumindest zu zweit demnächst mal um ein paar Karten pro Sorte zu verlängern, und schauen mal, wie sich das auf die Spieldynamik auswirkt. Kippt das Spiel dann, weil man es schafft, von allem etwas zu machen? Ich kann es nicht einschätzen, möchte es aber gerne mal ausprobieren.

TL;DR

Punktesalat ist ein nettes kleines Spiel, das meine Optimierer-Seele glücklich macht, mit seinem freundlichen Erscheinungsbild und einfachem Einstieg aber auch Gelegenheitsspieler nicht zu sehr erschrecken dürfte. Wer ohnehin schon lange mehr Rohkost auf den Tisch bringen wollte, kann bedenkenlos zugreifen.

Punktesalat von Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich, ein Spiel für 2-6 Spieler ab 8 Jahren; erschienen 2020 bei Pegasus Spiele. Sprache: Deutsch. Spielzeit: 15-30 Minuten. Preis: ca. 13€.

Typ:
Familienspiel
Wertung:
– reizvoll

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