Auf dem Tisch im September 2020

Huch, so spät schon wieder! Der September ist (schon lange) vorbei, hier gibt es den obligatorischen Monatsrückblick. Gespielt wurden unter anderem Terraforming Mars, Imperial Settlers: Empires of the North und Sankt Petersburg.

Was war im September so los bei mir in spielerischer Hinsicht? Zum einen hat meine Sammlung ein neues Zuhause bekommen! Der eine oder die andere mag es schon mitbekommen haben – wir sind fleißig am Umgestalten unserer Wohnung, da wir sehr bald einen kleinen Mitbewohner bekommen. Meine Spielesammlung ist daher von einem Sammelsurium an Billy- und Kallax-Regalen in drei geschlossene Besta-Schränke umgezogen. Sieht sehr ordentlich aus – das hätten wir schon viel früher machen sollen.

Besta Schrank Spielesammlung
Ein kleiner Blick in die Sammlung.

Da Spiele aber schließlich nicht nur verstaut, sondern auch gespielt werden wollen, hatten wir letzten Monat ein paar Titel auf dem Tisch, die schon viel zu lange im Regal vor sich hin stauben mussten. Zum Beispiel Sankt Petersburg, das ich gerne liebevoll als das hässlichste Spiel meiner Sammlung anpreise. Irgendwie hat es aber ja doch Charakter, und ich ziehe das Doris-Matthäus-Artwork dem seltsamen Artwork der Neuauflage bei weitem vor.  Vor allem aber ist Sankt Petersburg mechanisch ein wirklich tolles, aufs Wesentliche reduziertes Spiel, das sich darum dreht, den „Tipping Point“ zwischen Geld- und Punkteproduktion möglichst optimal zu treffen. Außerdem sind die taktischen Nuancen, die das Spiel beim Management der zentralen Auslage bietet, bemerkenswert. Immer noch ein klasse Spiel!

Sankt Petersburg Spielsituation
Wie weit eine Partie Sankt Petersburg vorangeschritten ist, erkennt man unter anderem am Zustand der Papiergeldstapel…

Der zweite Oldie diesen Monat war ein Reiner-Knizia-Kartenspiel namens Flinke Pinke – mit seinem megagenerischen Spielmaterial ein weiterer Anwärter auf den Titel „hässlichstes Spiel“ und seines Zeichens das erste Knizia-Spiel, das ich je gespielt habe. Das Spiel stand nämlich schon in meinen Kindertagen im Spieleschrank. Flinke Pinke ist im Grunde sowas wie ein Aktienspekulationsspiel im Filler-Format: jede Runde spiele ich eine Karte in einer der fünf Farben, und nehme mir einen farbigen Chip, wobei Karte und Chip nicht die gleiche Farbe haben müssen. Die Karten haben Werte von 0 bis 5, und die momentan obenliegenden Kartenwerte in jeder Farbe bestimmen den Wert der korrespondierenden Chips. Ich muss also nicht nur meine eigenen Karten möglichst clever loswerden, sondern gleichzeitig auch schauen, auf welche Chips sich die Konkurrenz stürzt. Zu dritt oder viert immer noch ein spaßiger, flotter Lückenfüller für den Start oder Abschluss des Spieleabends.

Lesen und Spielen

Im Oktober dürfen dann auch mal wieder schöne Spiele gespielt werden. Zum Beispiel das wunderschöne Flügelschlag, das im kommenden Monat unser Begleitspiel für das Lesen und Spielen drüben auf Librarything sein wird. Dazu gehört H is for Hawk von Helen Macdonald. Kommt und diskutiert mit uns!

Lesen und Spielen - H is for Hawk und Flügelschlag
Spiel und Lektüre für Oktober. Steigt noch mit in die Diskussion ein!

Spiel des Monats: Terraforming Mars

Wie wohl die meisten von euch habe ich eine Liste von spielerischen „Bildungslücken“, die ich unbedingt mal ausbessern möchte. Ich habe zum Beispiel nie Puerto Rico gespielt, oder Funkenschlag; oder, wenn es neuere Titel sein sollen, Scythe. Und eben, bis letzten Monat, auch noch nie Terraforming Mars.

Ja, ich weiß, jetzt seid ihr alle schon seit zwei Jahren fertig mit dem großen Hype. Ich muss niemandem mehr sagen, dass Terraforming Mars ein kartengesteuertes Strategiespiel ist, bei dem es darum geht, die Geschicke des eigenen Konzerns beim Versuch zu steuern, den Mars bewohnbar zu machen. Ich muss euch nicht sagen, dass es einen wahnsinnig fetten Stapel an Karten gibt, die gedraftet und in eine Strategie geschmiedet werden wollen. Und ich muss euch auch nicht sagen, dass drei Spieler am Tisch vollkommen unterschiedliche Strategien spielen können. Fast so, als würden sie unterschiedliche Spiele spielen.

Terraforming Mars Spielsituation
Die Mars-Kolonisierung schreitet voran.

Das muss man nicht mögen. Ich find’s faszinierend und betrachte während der Partie mein gedeihendes marsianisches Firmenimperium mit immenser Befriedigung. Mein Konzern liefert mir eine Menge Startgeld und einen Rabatt auf Karten mit Erdsymbolen. Nach ein paar Runden stimmen die Finanzen, und ich spiele mich zum Oberförster auf und pflanze einen Wald nach dem anderen an. Dass ich meine Erstpartie  letztendlich gewinne macht es noch schöner. Zum Mars reise ich gerne bald mal wieder. Anfang Oktober hatte der Spielebesitzer Geburtstag – bei meinem Geschenk (Terraforming Mars: Venus Next) schwang vielleicht ein wenig Eigennutz mit.

Neu für mich im September

Imperial Settlers: Empires of the North

Obwohl ich ein Riesenfan von Imperial Settlers bin, ist das Sequel Empires of the North bislang an mir vorbeigegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig – In Essen war das direkt am Nachbartisch platzierte Prêt-à-Porter irgendwie reizvoller; die Enttäuschung des leider ziemlich mäßigen Imperial Settlers: Roll & Write klang noch nach; und irgendwie wollte ich dem von mir heißgeliebten Original auch nicht das Wasser abgraben. Aber dank Tabletopia und Co. kann man ja mal unverbindlich in Spiele reinschnuppern, und so kam es dann mit großer Verspätung im September doch noch zu meinem Empires of the North Debüt.

Empires of the North hat ganz unverkennbar Imperial Settlers DNA: wir bauen unsere eigenen völkerspezifischen Karten, die direkt Ressourcen produzieren, uns Tauschmöglichkeiten von einer Ressource zur anderen bieten oder uns Fähigkeiten geben, die immer bei bestimmten Aktionen zum Tragen kommt. Das Deck meines Wikinger-Clans drehte sich vor allem ums Plündern und Erobern der Inseln, die im Vergleich zum Vorgänger die allgemeinen Karten abgelöst haben. Daniels Inuit-Clan war dagegen auf das Bauen von Sets verschiedener Kartentypen ausgelegt. Glaube ich zumindest. Man kennt das ja von Imperial Settlers – irgendwie ist man sehr auf seine eigene „Engine“ bedacht, und grätscht dem Gegner nur wenn es sein muss mal dazwischen.

Empires of the North Tabletopia
Auch bei Empires of the North nimmt die Kartenauslage stolze Ausmaße an. Bei Tabletopia ist der Platz auf dem Tisch glücklicherweise kein Problem.

Im Vergleich zum originalen Imperial Settlers wirkt das Spiel auf mich ein wenig „zahmer“, im guten wie im schlechten. Empires of the North ist definitiv das zugänglichere Spiel. Auch hier muss ich klug mit meinen Ressourcen und Aktionen haushalten, aber es ist nicht ganz so imminent wichtig, sich immer noch irgendwo eine weitere Aktion, eine weitere Ressource aus den Rippen zu leiern, um auf Biegen und Brechen irgendwie im Spiel zu bleiben und die Gegner nicht davon ziehen zu lassen. Empires of the North wirkt einen Tick schlanker und übersichtlicher. Aber ich mag diese vollkommen absurden letzten Runden bei Imperial Settlers, die noch mal die Länge des kompletten bisherigen Spiels haben. Dieser Riesenzahltag, an dem sich die zuvor aufgebaute Punktemaschinerie doppelt und dreifach bezahlt macht, fehlt mir in Empires of the North.

Aber ich will ja gar nicht meckern. Gutes Spiel, keine Frage. Vielleicht sogar sehr gut. Da wir das geklärt haben – wer spielt jetzt mit mir Imperial Settlers?

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