Dominion (Rezension)

Rezensionen zu neuen Spielen? Gibt’s hier diesen Monat mal wieder nicht, denn der feine Herr Blogger spielt mal wieder lieber olle Kamellen. Das Dominion-Fieber hat uns neu (und stärker denn je) gepackt, daher gibt’s diesen Monat eine Rezension zum Spiel des Jahres 2009. Was taugt der Urahn aller Deckbauspiele heute noch?

Hach ja, Dominion. Auch vor diesem Monat schon eins meiner meistgespielten Spiele (geht ja auch schnell bei Deckbuildern, wenn man einfach nach gespielten Partien rechnet. Bleibt ja selten bei nur einem Spiel, sobald die Karten einmal ausliegen). Über die vergangenen Jahre kam Dominion immer mal wieder als Lückenfüller für Zwischendurch auf den Tisch. Aber jetzt, im Juli 2020, sind wir noch mal so richtig in den Kaninchenbau abgetaucht, haben uns Erweiterungs-Nachschub zugelegt und unsere Spieleabende zu zweit und zu dritt fast schon exklusiv zu Dominion-Abenden umgestaltet. Höchste Zeit also, Donald X. Vaccarinos Deckbauspiel noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Worum geht’s noch mal?

Dominion ist ein Deckbauspiel; das bedeutet, dass jeder Spieler über sein eigenes Kartendeck verfügt, das er im Laufe einer Partie mehrfach durchspielt. Zu Beginn eines Spiels besteht dieses Deck aus relativ wertlosen Geld- (Kupfer) und Punktekarten (Anwesen). Im Laufe des Spiels kann das Deck durch weitere Geld-, Punkte- und Aktionskarten aus der gemeinsamen Auslage aufgewertet werden.

Bin ich am Zug, darf ich zunächst eine Aktionskarte ausspielen; danach darf ich mein Geld nutzen, um eine Karte zu kaufen. Aktionskarten können diese Grundformel modifizieren, indem sie weitere Aktionen oder Käufe hinzufügen, mich also z.B. eine weitere Aktionskarte ausspielen oder mein Geld auf den Kauf von zwei unterschiedlichen Karten verteilen lassen.

Welche Karten zum Kauf verfügbar sind, hängt an der jeweiligen Auswahl von Königreichkarten. Das Grundspiel von Dominion bringt 25 verschiedene Königreichkarten mit, von denen jeweils 10 zufällige oder nach einem vorgegebenen Setup bestimmte im Spiel verfügbar sind. Dazu kommen immer verfügbare Geld-, Punkte- und Fluchkarten, die Kaufkraft im Spiel, Punkte oder Minuspunkte am Spielende bringen.

Dominion Spielaufbau
In jeder Partie sind zehn verschiedene Königreichkarten verfügbar, dazu Geld-, Punkte und ggf. Fluchkarten. Daraus gilt es, das Beste zu machen.

Kern des Spiels ist es, herauszufinden, wie ich mein Deck mit der vorhandenen Auswahl an Karten möglichst effektiv durchspielen und die meisten Punkte machen kann. Da das Spiel endet, sobald entweder der Stapel der Provinzen (der wertvollsten Punktekarten) oder drei andere Kartenstapel leer sind, ist jede Partie ein Rennen, dass meist das am effektivsten getunte Deck für sich entscheiden wird. Für Interaktion sorgen in vielen Setups Angriffe, spezielle Aktionskarten, die dazu dienen, die Mitspieler*Innen am Durchspielen ihrer Decks zu hindern, indem man ihnen z. B. wertlose Karten zuschachert oder sie Karten abwerfen lässt.

Wichtig ist es, den „Turning Point“ vom Kaufen von Aktions- und Geldkarten hin zum Kaufen von Punktekarten zu erwischen, denn Punktekarten tun im Spiel nichts und sind daher im Laufe der Partie „tote“ Karten, die man eigentlich nicht ziehen möchte – am Spielende kommt es aber nur noch auf diese Karten an.

So viele Boxen – womit muss ich noch mal anfangen?

Dominion hat bislang schlanke 11 Erweiterungen, dazu gibt es noch diverse Neuauflagen, Promos, Fan-Boxen etc. – für den Anfänger ist es da gar nicht so leicht, zu überblicken, womit man eigentlich einsteigen kann. Wenn wir mal mögliche Sonderfälle ausblenden, dann wollt ihr mit dem Dominion-Basisspiel einsteigen. Das schwirrt in drei Editionen auf dem deutschen Markt herum:

  • Die alte Hans im Glück Version Dominion: Was für eine Welt! schwirrt noch gelegentlich auf Ebay herum, manchmal allerdings zu horrenden Preisen.
  • Die Neuauflage Dominion: Basisspiel hat ein neues Cover verpasst bekommen und ist direkt unter der Flagge von Rio Grande Games erschienen. Die Version ist inhaltsgleich zur Hans im Glück Version. Auch diese Version wird euch vor allem gebraucht begegnen. Alle Fotos in dieser Rezension stammen aus dieser Version, da es einfach die ist, die ich daheim herumliegen habe.
  • Im Spieleladen, im Kaufhaus oder beim Online-Händler eures Vertrauens werdet ihr am ehesten dem Dominion: Basisspiel (2. Edition) begegnen. Diese Neuauflage hat 2017 das alte Basisspiel abgelöst. Größter Unterschied ist, dass sechs als schwach eingeschätzte Königreichkarten des alten Grundspiels gestrichen und durch neue Karten ersetzt wurden.

Sofern ihr keine Mondpreise bezahlt, sind alle drei Boxen gleichermaßen als Einstieg geeignet und mit allen Erweiterungen kompatibel. Vermutlich werdet ihr mit der 2. Edition loslegen, da diese am einfachsten zu bekommen ist.

Was taugt Dominion heute noch?

Contra:

  • Durch das fehlende Thema wirkt Dominion eher trocken und abstrakt als einladend und aufregend. Das machen viele neuere Deckbauspiele besser. Ich meine, was tun wir da überhaupt? Irgendwas mit Mittelalter und so. Seien wir ehrlich, Dominion hat kein Thema, sondern eher eine recht inkonsistente Ansammlung von Artwork.
  •  Vom „Spiel des Jahres“-Aufdruck sollte man sich nicht täuschen lassen – Dominion ist eigentlich schon eher Kennerspiel. Dazu tragen die vielen, sehr textlastigen Karten bei, aber auch erstmal unintuitive Begrenzungen, wie z.B., dass man nicht einfach automatisch seine Hand durchspielen kann, wenn es dafür einfach an Aktionen fehlt. Die Basisspiel-Karten sind noch recht einfach gehalten, so dass es nicht allzu viele Probleme gibt, mit Erweiterungen verstärkt sich das Problem dann durch die steigende Anzahl der Sonderfälle und die dann sehr viel wichtigere Phasen-Struktur des Spiels.

Pro:

  • Wo andere Deckbauer teilweise über ihre eigenen Versuche stolpern, thematisch Sinn zu ergeben (ich denke z.B. an die umständlichen Licht- und Tragkraft-Regeln in Thunderstone), bricht Dominion das Deckbauprinzip konsequent auf die bloße Mechanik runter. Das trägt allein immer noch sehr gut – ein Deck aufzubauen und anzusehen, wie es Fahrt aufnimmt, ist immer noch faszinierend.
  • Dominion ist schnell – ist einmal ein Königreich aufgebaut, lässt sich eine Partie flott in 20 Minuten runterspielen. Und es bleibt selten bei einer Partie: die kurze Spieldauer lädt dazu ein, gleich eine flotte Revanche-Partie mit dem gleichen Setup anzuschließen, und zu schauen, ob es mit dieser oder jener Karte nicht doch besser läuft.
  • Last but not least: Dominion ist quasi beliebig erweiterbar. Dreizehn Erweiterungen, weit über 500 unterschiedliche Karten – wer Dominion liebt, findet in den Erweiterungen fast unbegrenzte Abwechslung. Dabei reicht die Spannweite von „Gib mir mehr von dem Basisspiel“ (Intrige, Blütezeit) bis hin zu „mach das es Nacht wird und die Zombies kommen“ (Nocturne). Und es spricht wenig dafür, dass mit der diesjährigen Erweiterung Menagerie das Ende der Fahnenstange erreicht wäre. Dominion ist auch 12 Jahre nach Erscheinen quicklebendig.

    Dominion - Aufbau mit Erweiterungen
    Das Prinzip ist immer das Gleiche, aber die diversen Erweiterungen bieten eine fast unendliche Vielfalt an möglichen „Königreichen“.

Für mich ist Dominion immer noch der Platzhirsch unter den Deckbauspielen. Ich mag gerade, dass es so konsequent auf die reine Mechanik runter reduziert ist. Klar, ich finde auch Titel wie A Few Acres of Snow, Tyrannen des Unterreichs oder Klong! großartig, die den Deckbaumechanismus als „Motor“ für ein größeres Spiel verwenden. Aber das mechanisch-schlanke verleiht Dominion für mich irgendwie einen besonderen Reiz. Hinzu kommt: Dominion kann ich zwar auch nicht mit jedem, aber doch mit einem sehr viel größeren Personenkreis, und eben sehr viel häufiger spielen.

Andere „reine“ Deckbauspiele hat Dominion ohnehin lange abgehängt – von Thunderstone bin ich längst nicht mehr so überzeugt wie vor sieben Jahren, und es kommt auch nur noch sehr selten auf den Tisch. Star Realms oder Dale of Merchants mag ich beide noch, aber daheim erhält Dominion vier von fünf Malen den Vorzug, nur auf Reisen haben die beiden Deckbauzwerge die besseren Karten. Und Trains, einst ein gefeierter Dominion-Killer, ist bereits vor Jahren wieder aus der Sammlung geflogen. Wenn man über das staubtrockene Thema und das Artwork hinwegsehen kann, ist Dominion ein echter Klassiker, das mechanisch immer noch überzeugen kann.

Meine drei Lieblingskarten aus dem Basisspiel

Die Basisspiel-Karten sind im Vergleich zu den Karten aus späteren Erweiterungen eher simpel gehalten. Dadurch fällt es mir etwas schwerer als bei späteren Sets, meine Lieblinge herauszusuchen. Hier trotzdem meine Top 3+1.

Dominion Lieblingskarten aus dem Basisspiel
Meine 3+1 Favoriten aus dem Basisspiel.

Honorable Mention: Abenteurer

Ich weiß, der Abenteurer ist viel zu teuer (6 Geld!), und ist daher in der zweiten Edition aus dem Basisspiel geflogen. Aber wenn ich es schaffe, frühzeitig mein Kupfer zu entsorgen, zaubert er mir zuverlässig Kaufkraft in die Hand und verhindert, dass die wachsende Menge an Punktekarten meine Hand verstopft. Ja, vielleicht sollte ich für 6 Geld lieber ein Gold kaufen, aber ich mag’s halt gerne abenteuerlich.

Platz 3: Bürokrat

Ich mag Angriffe eigentlich nicht so besonders. Ich spiele oft zu zweit mit meiner Frau, die nicht der größte Fan von „fiesen“ Effekten sind, die ihre Pläne stören; außerdem bringt das Ausbremsen des Gegners gefühlt meist weniger, als wenn man stattdessen das eigene Deck beschleunigen würde.

Den Bürokraten kaufe ich trotzdem immer gerne. Er tritt gerade gegen Spielende bei den Gegenspieler*innen leicht auf die Bremse, liefert mir aber auch Silber, das ich eh gut gebrauchen kann. Gerade in Verbindung mit meiner Platz-1-Karte, die ein möglichst umfangreiches Deck belohnt, sehr nützlich – der Bürokrat versorgt mich mit Silber, und ich habe anschließend trotzdem noch meinen Kauf frei für andere Dinge.

Platz 2: Laboratorium

Das Laboratorium bringt zwei Karten und eine Aktion. Das ist erstmal nicht besonders aufregend,  heißt aber, dass ich prinzipiell beliebig viele Laboratorien aneinander ketten und mein ganzes Deck spielen kann. Diese Möglichkeit bedeutet zwangsläufig, dass ich genau das versuchen werde, wenn Laboratorien im Spiel sind. Oft fange ich dann schlicht zu spät an, Punktekarten zu kaufen, aber wenn mein Labor-Experiment aufgeht, wie ich das gerne hätte, fühlt sich das großartig an. Im Basisspiel mein liebster „Kartenzieher“.

Platz 1: Gärten

Der Ablauf einer Dominion-Partie ist grundsätzlich immer der gleiche – ein Deck zusammenstellen, das möglichst schnell zuverlässig Provinzen kaufen kann, und außerdem zum rechten Zeitpunkt vom Kaufen von Aktionskarten und Gold zum Kaufen von Herzogtümern übergehen. Dann rasen wir schnurstracks zum Spielende.

Die Gärten sind die einzige Punkte-Königreichkarte im Grundspiel und mischen den typischen Spielablauf ein wenig auf. Plötzlich möchte ich kein schlankes Deck mehr haben, denn Gärten belohnen mich für ein möglichst großes Deck. Plötzlich überlege ich zwei Mal, ob ich mein Kupfer entsorgen möchte und versuche so verbissen wie möglich, weitere Käufe aus dem Setup herauszukitzeln. Dieses bisschen Anarchie von Zeit zu Zeit tut dem Spiel extrem gut. Meine Lieblingskarte aus dem Grundspiel.

TL;DR

Wenn man über die staubtrockene Aufmachung hinwegsehen kann, ist Dominion immer noch der König der Deckbauspiele. Jedes Set aus Königreichkarten ist wie ein Rätsel, dass es in möglichst wenigen Zügen zu knacken gilt – und danach werden die Karten zurücksortiert und gleich noch eine Partie gespielt. Bereits das Basisspiel verfügt über einen enormen Wiederspielreiz; wenn das nicht reichen sollte, schaffen momentan dreizehn Erweiterungen Abhilfe.

Dominion von Donald X. Vaccarino, ein Spiel für 2-4 Spieler ab 13 Jahren; erschienen 2008 bei Rio Grande Games. Sprache: Deutsch. Spielzeit: ca. 30 Minuten. Preis: ca. 35€.

Typ:
Kennerspiel
Wertung:
– ausgezeichnet

3 Gedanken zu „Dominion (Rezension)“

  1. Interessant, was du zu den Preisen schreibst, ich habe noch ein originalverpacktes HiG-Basisspiel hier liegen. Die Reiche Ernte war seinerzeit bei Kaufhof billiger, wenn man ein Basisspiel dazu genommen hat (RE allein irgendwas über 20 Euro, zusammen 18 Euro). Und wer weiß, wann man’s braucht, um verdreckte Karten zu ersetzen.

    Den Abenteurer fand ich früher doof, aber zuletzt konnte ich ihn gewinnbringend einsetzen.

    1. Ich habe jetzt noch mal bewusst geschaut, und da hatte ich wohl einen falschen Eindruck – momentan scheinen tatsächlich einige günstige HiG-Grundspiel-Exemplare auf eBay verfügbar zu sein. Das hatte ich anders in Erinnerung, wahrscheinlich habe ich mich aber von den „Sofort Kaufen“-Angeboten täuschen lassen. Es gibt ja immer Genies, die ein Spiel für 80€ einstellen, weil diese Version strenggenommen „out of print“ ist. Insofern gerade doch kein guter Zeitpunkt, um das überzählige Basisspiel zu Geld zu machen 🙂

      Bei den Erweiterungen sieht das (leider) anders aus – vor allem bei denen, die auch von Rio Grande momentan schwer zu bekommen sind. Aber seien wir mal ehrlich, der Nachdruck kommt bestimmt…

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