Auf dem Tisch im Mai 2020

Spielen in Zeiten von Corona, Teil III. Alles wieder normal? Noch nicht so wirklich. Mein Monatsrückblick für Mai, mit Etwas zu verbergen, Underwater Cities und Fenix.

Im Mai haben wir für unsere Verhältnisse wieder recht wenig gespielt, allerdings waren auch mal wieder ein paar größere Spiele dabei. Und nicht alle Partien wurden nur zu zweit daheim oder online gespielt; am letzten Wochenende haben wir uns zum ersten Mal seit Monaten zu einem Spieleabend zu dritt mit einer guten Freundin getroffen. Wir bleiben natürlich weiter vorsichtig, und Spieleabende im größeren Kreis sind weiterhin nicht geplant, aber sich einfach mal wieder zum Spielen zu treffen hat schon gut getan – andere Hobbys wie z.B. das Bouldern liegen ja weiterhin brach, und online spielen ist für mich einfach kein Ersatz (irgendwann möchte ich nach der Arbeit auch mal weg vom Rechner). Wie haltet ihr das so, wurde bei euch bereits wieder gemeinsam gespielt, oder seid ihr immer noch ausschließlich online unterwegs?

Dinge, die man über’s Internet gemeinsam machen kann, gibt es natürlich auch weiterhin – drüben auf Librarything lesen und spielen wir zum Beispiel im Juni wieder gemeinsam. Diesmal geht es um Lorenzo Il Magnifico, die Lorenzo-Biographie Der Prächtige von Ingeborg Walter und die Frage, warum „Wetteifern um Einfluss in der Renaissance“ so ein beliebtes Brettspiel-Thema zu sein scheint. Wer noch einsteigen möchte, ist herzlich eingeladen!

Unser Spiel und Buch für Juni 2020!

Spiel des Monats

Spiel des Monats ist dieses Mal das kleine aber feine Erzählspiel Etwas zu verbergen von Allan Dotson, das der System Matters Verlag nach Deutschland gebracht hat. In Etwas zu verbergen spielen alle SpielerInnen Verdächtige in einem gemeinsam entworfenen Mordfall. In unserem Fall waren die Gattin eines lokalen Fischers, ein schwedischer Tourist und ein Karabiniere mit Hang zum Alkohol in den Tod eines lokalen Restaurantbesitzers verwickelt. Nachdem zunächst der Schwede – der sich letztendlich als zur Adoption freigegebener Sohn der Fischersfrau und des Mordopfers aus einer außerehelichen Affaire herausstellte – des Mordes verdächtigt wurde, konnte am Ende der Karabiniere durch seine Verbindungen zu einigen regionalen Unterweltgrößen des Mordes überführt werden. Das Mordopfer hatte ihn erpresst und gedroht, seine Mafia-Verbindungen ans Licht zu bringen.

Etwas zu verbergen Spielmaterial
Neben dem Regelbuch braucht man nur ein paar Stifte und Karteikarten, dann kann es mit den Ermittlungen losgehen.

Etwas zu verbergen ist ein wirklich cleveres kleines Erzählspiel, das auch für Krimifreunde, die mit Rollenspiel sonst nichts am Hut haben, ausgezeichnet geeignet ist. In wenigen Stunden entwickelt man – ganz ohne Spielleiter und Session-Vorbereitung, nur mit einer Hand voll Karteikarten bewaffnet – einen spannenden Mordfall, bei dem die einzelnen Handlungsstränge manchmal überraschend ineinander greifen.

Für mich war Etwas zu verbergen das erste Rollenspiel ganz ohne Spielleiter – was den Vorteil hatte, dass wir schon zu dritt eine Runde auf die Beine stellen konnten. Das hat erstaunlich gut funktioniert, und nun habe ich nicht nur Lust auf weitere Krimi-Runden, sondern bin auch heiß drauf, mal spielleiterlose Klassiker wie Fiasko auszuprobieren.

Besonders gefreut hat mich, dass ich meine Frau erstmalig für Pen & Paper Rollenspiel begeistern konnte (normalerweise läuft sie bei der Erwähnung des Wortes „Rollenspiel“ so schnell und weit sie kann). Ist halt auch immer eine Frage des Framings; wenn man mal ehrlich ist, ist Etwas zu verbergen näher an Spielen wie Es war einmal… als an Dungeons & Dragons. Also, liebe Krimi-affine Brettspieler da draußen: nur keine Berührungsängste!

Neu für mich im Mai

Von meinem Monats-Highlight abgesehen gab es für mich im Mai noch zwei weitere neue Titel. Naja, drei, wenn man so will…

Underwater Cities

Mit Underwater Cities haben wir eine Bildungslücke geschlossen und einen der Expertenspielkracher der vergangenen Jahre nachgeholt. Für alle die es nicht kennen: Underwater Cities ist ein Arbeitereinsetzspiel mit Kartenmechanismus. Über 10 Runden versuchen wir, möglichst erfolgreich unsere Unterwasserstädte zu entwickeln. Das tun wir, indem wir mit unseren Aktionsplättchen abwechselnd Aktionsfelder besetzen, die uns Städte und Gebäude bauen, Gebäude verbessern, Ressourcen sammeln oder Karten ziehen lassen. Zu jedem Aktionsplättchen müssen wir außerdem eine Karte ausspielen; passt diese farblich zum gewählten Aktionsfeld, bekommen wir die Karte und dadurch manchmal einen sofortigen Bonus, manchmal einen Vorteil später im Spiel.

Underwater Cities Spielmaterial
Meine Unterwasser-Städte am Ende einer Partie.

Underwater Cities ist ein cleveres Spiel, das zunächst mit Symbolik überfrachtet erscheint, dann aber schnell in Fleisch und Blut übergeht. Die Kombination aus Worker Placement und Kartendecks ermöglicht eine Spezialisierung und das Ausbauen einer eigenen Punkte-Engine. Wir kratzen eindeutig noch an der Oberfläche, konnten unsere Grusel-Ergebnisse von 65-70 Punkten aber bis zur dritten Partie schon mal auf jenseits der 80 Punkte steigern. Da geht noch was! Ein Spiel, das sicher auch in den Juni-Statistiken wieder auftauchen wird.

Fenix

Nicht ganz so überzeugt hat mich das abstrakte Spiel Fenix, eine Art Dame trifft Schach, bei dem es darum geht, den gegnerischen König zu schlagen UND zu verhindern, dass der Gegner einen neuen bilden kann. Dazu hat jeder Spieler eine Anzahl von gewöhnlichen Dame-Steinen, den Soldaten (ziehen ein Feld orthogonal). Hinzu kommen drei Zweier-Steine, die Generäle (ziehen beliebig weit orthogonal) und einen Dreier-Stein, den König (zieht ein Feld orthogonal oder diagonal). Geschlagen wird, wie bei Dame, durch überspringen. Es besteht Schlagzwang, und Kettenzüge sind möglich.

Fenix Spielmaterial
Hübsch aussehen tut Fenix ja. Wenn ich nur nicht viel zu blöd dafür wäre…

Ich bin mir sicher, dass Fenix für Freunde abstrakter Spiele eine feine Sache ist. Ich kam mir dabei nur wahnsinnig doof vor, und meiner Frau ging es genauso, weil wir oft in Fallen liefen, die unser Gegenüber gar nicht bewusst gestellt hatte. Besonders die Bewegung der Generäle, die beliebig viele Felder in eine bestimmte Richtung laufen können, war für uns beide vorhersehbar, da diese vor und nach dem Schlagen beliebig viele Felder überspringen und anschließend in eine beliebige Richtung weiter schlagen können (lies: müssen!), wobei sie wieder beliebig Weit vor und nach dem Schlagen springen…  Willkommen zum 100 Meter-Lauf der Orientierungslosen! Unsere besten Züge beruhten nie auf eigener strategischer Planung, sondern immer auf groben Patzern des Gegners. So zu gewinnen ist sicher legitim, aber irgendwie auch für beide Seiten ziemlich unbefriedigend. Nicht der Fehler des Spiels, aber Fenix war nichts für uns.

Hoppe Reiter

In dieser Reihe sei auch noch das kleine HABA-Spiel Hoppe Reiter erwähnt, denn meine kleine Nichte (die im Juni drei wird) ist mittlerweile schwer Brettspiel-begeistert, und beim Besuch neulich bei meiner Schwester im Garten wurde diese kleine Würfelspiel hervorgeholt, dass wir ihr vor einiger Zeit geschenkt hatten. Pferde stehen sowieso gerade ganz hoch im Kurs bei ihr, und die kleinen Holzpferdchen haben bereits alle Namen aus Bibi und Tina. Einziger Schwachpunkt in den Augen meiner Nichte ist vielleicht, dass Anna und Elsa nichts mit dem Spiel zu tun haben, davon abgesehen ist es ein großer Hit…

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