Monolith Arena: Academics (Rezension)

Monolith Arena war eins meiner Essen-Highlights im Jahr 2018. Umso größer war die Enttäuschung, als Pegasus im darauffolgenden Jahr keine deutsche Version der Erweiterung Academics im Angebot hatte. Da ich nicht weiter hoffen, bangen und warten wollte, habe ich nun zur englischen Version von Portal gegriffen. Ob sich das lohnt, könnt ihr hier lesen.

Nachschub für die Arena

Die Erweiterung Academics erweitert Monolith Arena um eine fünfte Fraktion: die Akademiker sind eine Gilde von Zauberern, deren Einheiten zunächst einmal recht schwach auf der Brust sind, die aber im Laufe des Spiels deutlich aufgewertet werden können. Die schmale Erweiterungs-Schachtel enthält 35 Plättchen, eine Hand voll Marker, einen Übersichtsbogen in englischer und polnischer Sprache sowie eine kurze Regelübersicht, die die neuen Erweiterungsregeln abdeckt. Erfreulich: die Fraktionsübersicht hat das gleiche hochwertige Finish wie die Übersichtstafeln und kommt auch im gleichen Format daher. Bei den Erweiterungen zu Portals Imperial Settlers war das aufgrund des Box-Formats der Erweiterungen nicht der Fall, man denke an die doofen zweiteiligen Puzzle-Völkerübersichten. Bei Monolith Arena hat der Verlag dagegen seine Hausaufgaben gemacht.

Monolith Arena Academics Spielmaterial
Der Inhalt der Box.

Mechanisch sind die Neuankömmlinge eine schöne Ergänzung zu den bisherigen Fraktionen. Ihre Fähigkeiten mixen Altbekanntes (wie z.B. Netze, Bomben und Teleport) mit neuen Mechaniken, sind dabei aber nicht komplexer zu spielen als die Grundspiel-Fraktionen. Kernmechanik sind Manaaufladungen, die über die Befehle der Akademiker auf alle Arena-Plättchen der Fraktion mit Ausnahme der Basis gelegt werden können. „Aufgeladene“ Einheiten und Runen erhalten beispielsweise zusätzliche Fähigkeiten und stärkere oder zusätzliche Angriffe. Daneben enthält die Trickkiste der findigen Magier unter anderem einen Befehl („Dunkelheit“), der es dem Gegner verbietet, in seinem nächsten Zug Arena-Plättchen zu spielen, eine Einheit, die erlittenen Schaden heilen kann, sowie eine Rune, mit der angrenzende gegnerische Einheiten übernommen werden können.

Mehr Fraktionen, mehr Abwechslung: das kann für ein Spiel wie Monolith Arena nur gut sein, oder? Die Academics sind in jedem Fall eine gelungene Ergänzung der Grundspiel-Fraktionen und scheinen mir nach bisher neun Partien stark, aber nicht „overpowered“ zu sein. Das ist bei Portal ja leider nicht ganz selbstverständlich – auch hier verweise ich wieder gerne auf Imperial Settlers, wo ich bei meiner Erstpartie mit den Azteken alle vorherigen in meiner Spielegruppe festgehaltenen Punkterekorde mühelos pulverisieren konnte. Die Akademiker haben zwar – durch ihre Heilfähigkeit – gegen die als übermäßig stark geltenden Dämonen einen deutlich besseren Stand als die anderen Fraktionen, ansonsten scheinen sie mir aber durchaus schlagbar. Im Gegensatz zu den Dämonen mag ich das Spielgefühl dieser neuen Truppe sehr gerne – ich mag das Aufrüsten der Plättchen, mit dem ich versuchen kann, eine erdrückende Präsenz in der Arena zu entwickeln, wenn man mich zu lange in Ruhe lässt. Nach den Elfen sind die Akademiker bislang meine zweitliebste Fraktion.

 

Ende einer Partie – die Akademiker haben gegen das Imperium knapp die Nase vorn.

Das heißt nicht, dass es gar nichts zu kritisieren gäbe: mein größter Kritikpunkt ist das Artwork. Das fand ich ja beim Grundspiel besonders cool, insbesondere die düstere Interpretation der altebekannten Waldelfen ist richtig gut gelungen. Das Artwork der Akademiker ist an sich auch nicht schlecht, wenn auch etwas weniger uniform; aber was ist bitte mit der Elementarmagierin auf dem Cover los? Ich halte mich diesbezüglich ja eigentlich für ziemlich schmerzbefreit, aber dieser absurde Hotpants-Plattenpanzer mit kniehohen Stiefeln und Bauch, Schulter und Achseln freilassendem Oberteil ist der klischeehafteste Fall des „Kettenhemd-Bikini“-Topos der mir seit langem untergekommen ist. Nicht gerade das Outfit, von dem ich denken würde, dass studierte Magier es für ihre Teilnahme an tödlichen Arena-Kämpfen auswählen. Ihre männlichen Kollegen scheinen alle funktionalere Outfits zu tragen. Ein Schelm, wer sich fragt, warum ausgerechnet das Bild die Cover-Illustration geworden ist…

Aber genug aufgeregt: ansonsten eine gelungene Erweiterung, und ich hoffe ja immer noch auf mehr, zumindest in Englischer Fassung. Eine Goblin-Fraktion mit suizidal veranlagten Kamikaze-Kriegern hätte doch zum Beispiel was! Also Portal, immer her mit dem Monolith Arena Nachschub.

*Tipp zum Abschluss: Die deutschen Regeln (aber leider nicht die Fraktionsübersicht) gibt es als PDF bei Boardgamegeek.

TL;DR

Die Academics sind eine gelungene Ergänzung für die Monolith Arena-Spielwelt. Leider sind sie nicht auf Deutsch erhältlich, aber man wird als Fan des Grundspiels auch mit der englischen Version, bei Bedarf durch die deutschen Regeln von BGG ergänzt, glücklich. Nur die Fleischbeschau auf dem Cover inklusive „Plattenpanzer-Bikini“ finde ich albern.

Monolith Arena: Academics von Michał Walzak, eine Erweiterung für Monolith Arena von Michał Oracz, ein Spiel für 2-4 Spieler ab 10 Jahren; erschienen 2019 bei Portal. Sprache: Englisch/Polnisch. Spielzeit: ca. 30 Minuten. Preis: ca. 10€.

Typ:
Kennerspiel
Wertung:
– reizvoll

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