Auf dem Tisch im April 2020

Spielen in Zeiten von Corona, Teil II: Der Monatsrückblick für April mit Numenera, Indian Summer, 7 Wonders Duel: Pantheon und einer gewissen Müdigkeit…

Zweiter Pandemie-Monat um, und was kann ich euch erzählen? Mit den Worten „Nein, ich kann nichts schreiben“, beginnt Florian Kalenda seinen eigenen Monatsüberblick. „Diesen Monat habe ich nichts zu erzählen. Immer die gleichen alten Spiele. Und die neuen Spiele sind auch wie die alten.“ Ich nicke und denke, so ist es, irgendwie. Die Tage fließen ineinander, und alles fühlt sich wahnsinnig anstrengend an, weil alles so gleich ist, und nach dem Home-Office-Tag bin ich oft so platt, dass ich eigentlich nur noch in meinen Sessel kriechen möchte. Was schreibt man denn da?

Wir sitzen zu zweit Hause, natürlich spielt man da auch. Aber irgendwie doch mit weniger Enthusiasmus als sonst. Und am liebsten kurze, knackige Spiele. Ich hab diesen Monat mehrmals vor den großen Brocken in meinem Spieleregal gestanden, habe Coimbra oder Paladine des Westfrankenreichs rausgeholt, und dann doch gedacht: „Och nee…“. Lieber was kurzes, was man kennt und intuitiv in dreißig Minuten runterspielen kann. Und dann wieder Serien schauen (The Kominsky Method und Castle) oder ein bisschen in Pratchetts Scheibenwelt-Romanen blättern. Nur Agricola hat es auf den Tisch geschafft, nach langer Zeit mal wieder. Wollten wir direkt noch mal spielen, haben wir dann aber doch nicht gemacht („Och nee…“).

Aber man soll sich ja schließlich auf das positive konzentrieren: ich habe wieder mehr Lust zu lesen. Und ihr könnt mitmachen! Es gibt jetzt nämlich eine Gruppe für lesebegeisterte Brettspieler (oder anders herum?) auf Librarything. Aktuell lesen wir den Thriller Schutzlos (Originaltitel: Edge) von Jeffery Deaver. Der Protagonist, Corte, kommt aus ganz anderen Gründen nicht zum Spielen, obwohl er ziemlich viel über Spieltheorie nachdenkt. Er muss nämlich die Familie eines Polizisten beschützen, auf die ein „Lifter“ angesetzt wurde, ein professioneller Entführer und Folterer. Doch auf welche Informationen hat der „Lifter“ es überhaupt abgesehen? Lest mit und findet es heraus!

Unsere gemeinsame Lektüre auf LibraryThing.

Spiel des Monats

Der Titel „Spiel des Monats“ geht dieses Mal an ein Rollenspiel, und an die Plattform, die es mir ermöglicht, diese Runde mit meinen Freunden zu spielen. Wir haben schon vor langer Zeit eine Numenera-Kampagne begonnen. Ich liebe das Setting einfach – eine Welt, die das klassische Gruppe-zieht-ins-Abenteuer-Feeling von Dungeons & Dragons mit Artefakten untergegangener Zivilisationen, jahrtausendealten Kampfrobotern und rätselhaften Aliens kombiniert. Nach langer Pause spielen wir nun auf Roll20.net weiter.

Roll20 ist ein mächtiges Werkzeug, von dem ich als Spielleiter nur einen Bruchteil nutze. Vieles braucht man für Numenera einfach auch gar nicht – taktische Kämpfe mit in Feldern gemessenen Reichweiten kennt das System zum Beispiel in diesem Detailgrad gar nicht. Aber Roll20 hat mich motiviert, wieder mehr Karten zu zeichnen – händisch mit anschließendem einscannen, denn mit den Malwerkzeugen von Roll20 bin ich noch nicht warm geworden. Aber das ist ja gerade das schöne, man kann ja zusammen kreativ werden und das händische Gekritzel von motivierten Spielern aufhübschen lassen. Nächste Woche wird mal das „Fog of War“-Feature für eine ganz klassische Dungeon-Erkundung ausprobiert. Ich würde ja allen Rollenspielern in diesen Tagen an Herz legen, Roll20 mal eine Chance zu geben, aber wem mach ich was vor, ihr seid ja eh schon längst alle da, oder?

Screenshot Roll20
Meine Spieler waren motiviert und haben mein Bleistift-Gekrakel in Roll20 aufgehübscht.

Neu für mich im April

Wieder eine recht überschaubare Liste – aber immerhin ein Spiel und eine Erweiterung, die für mich neu waren, auch wenn beide nicht brandaktuell sind.

7 Wonders Duel: Pantheon

7 Wonders Duel ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Über 30 Partien hatten meine Frau und ich bereits auf dem Buckel, ehe wir uns an die Erweiterung gewagt haben. Uns fehlte da vorher einfach nichts, was für die Qualität des Grundspiels spricht. Ein anderer Grund ist ganz banal: ich mag die Sortiereinlage von 7 Wonders Duel, die allerdings keinen Platz für die Erweiterung lässt. Nun, jetzt musste das Inlay doch gehen; bye bye, war schön mit dir.

7 Wonders Duel: Pantheon erweitert das Spiel um ein neues Element: fünfzehn verschiedene antike Gottheiten aus der römischen, ägyptischen, griechischen, mesopotamischen und phönizischen Mythologie, von denen fünf (plus ein „Tor“, das Zugriff auf die nicht im Spiel befindlichen Götter ermöglicht) im Laufe des ersten Zeitalters ausgelegt werden. Die Götter erweitern alle im Grundspiel vorhandenen Strategien um neue Möglichkeiten, und bieten außerdem im zweiten und dritten Zeitalter eine weitere Möglichkeit, die Zugreihenfolge zu beeinflussen: wer eine Götterkarte aktiviert, nimmt keine Karte aus der Auslage und überspringt so gewissermaßen seinen Zug.

Mein Eindruck der Erweiterung nach drei Partien ist sehr positiv. Die neuen Elemente sind sehr schön mit dem Grundspiel verzahnt und erweitern es sinnvoll, ohne das Spielerlebnis zu verwässern. Eine gelungene Auffrischungskur, wenn man das Grundspiel irgendwann „durch“ hat.

Indian Summer

Ansonsten war da noch eins von Rosenbergs Puzzle-Spielen, das bislang an mir vorbeigegangen ist: Indian Summer. Aus irgendeinem Grund hatte sich bislang noch nicht die Gelegenheit ergeben, es zu spielen, obwohl ich bislang die meisten Tetris-Spiele von Rosenberg und anderen sehr mochte und Indian Summer für einen der ästhetisch ansprechendsten Vertreter seiner Gattung halte.

Erfolgreich abgeschlossener Waldspaziergang.

Da man ja momentan etwas seltener selbst draußen herumspaziert war es Zeit, den Waldspaziergang auf den Tisch zu bringen.  Wenn man zu lange drüber nachdenkt, ist das Thema allerdings schon etwas seltsam, denn Indian Summer ist keinesfalls ein gemächlicher Spaziergang, sondern ein Wettrennen, bei dem es darum geht, möglichst flott den eigenen Waldboden mit Blättern (und Eichhörnchen) zu füllen. Es gewinnt also derjenige, der möglichst schnell mit dem Waldlauf fertig ist, und daheim bei einer Tasse Tee das Gesehene reflektieren kann. Mit Fundstücken wie Beeren, Nüssen, Pilzen und Federn (die uns Sonderaktionen bieten) oder gar mit der einheimischen Tierwelt geben wir uns nur ab, wenn es unserem Ziel, erster zu werden, dienlich ist.

Hat man sich einmal mit dem Renn-Charakter des Spiels angefreundet, ist Indian Summer ein schönes, flottes Familienspiel: das Material ist wirklich toll, das puzzeln macht Spaß und am Ende schaut man noch einmal zufrieden auf sein kleines Stück Waldboden. Und im Vergleich zu Patchwork, wo unsere Quilts meist recht löchrig bleiben, wird zumindest ein Spieler immer mit seinem Puzzle fertig.

2 Gedanken zu „Auf dem Tisch im April 2020“

  1. Oja, 7 Wonders Duel wär auch mal wieder eine Idee. Allerdings ohne die Erweiterung, wir haben bestimmt noch keine 10 Partien … da kann ich die Anschaffung nicht vor mir rechtfertigen.

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