Auf dem Tisch im März 2020

Mein Monatsrückblick auf den März, oder auch: Spielen in Zeiten von Corona! Dieses Mal mit Mr. Jack, Black Seas und Nagaraja.

Sozial distanzierte Grüße, liebe Leser! Wir haben den März also geschafft. Das war so einer der Monate, in denen ich besonders froh war, dass es unser Brettspiel-Hobby gibt. Klar, sämtliche Spieleabende mit Kumpels sind wie so vieles anderes ins Wasser gefallen, aber dafür gab’s doch so einige Spieleabende und -nachmittage zu zweit mit meiner Frau. Bleibt alle fit da draußen, und lenkt euch spielerisch ab – ob digital mit Plattformen von Yucata bis Tabletop Simulator, daheim mit der Familie oder auch mal solo. Wir schaffen das!

Spiel des Monats

Spiel des Monats ist dem Anlass entsprechend ein Zweispieler-Spiel. Wir haben uns Anfang des Monats einen Klassiker ausgeliehen, den wir vorher noch nicht intensiv gespielt hatten, nämlich Mr. Jack, ein Spiel um verdeckte Identitäten und logische Schlussfolgerungen, bei dem ein Spieler versucht, die geheime Identität des anderen aufzudecken, um ihm sein blutiges Handwerk zu legen.

Meine Frau hat sich mit vollem Ehrgeiz in das Spiel verbissen. Sie spielt ja eigentlich eher zur Entspannung: wenn sie gewinnt – schön; wenn nicht – auch ok. Und plötzlich sind wir im Paralleluniversum, in dem sie ein Spiel wieder und wieder spielen möchte, „um besser zu werden“.  Allein dafür hat Mr. Jack die Auszeichnung diesen Monat verdient.

Ein paar Verdächtige sind schon raus. Jetzt bloß nicht auffallen…

Ich muss ja zugeben, dass mich das Spiel ein bisschen stresst, vor allem als Jack. Ich habe eigentlich immer das Gefühl, dass ich mich schon mit meinem ersten Zug in Runde 1 verraten habe. An mir ist wohl kein Ganove verloren gegangen. Zum Glück geht’s meiner Frau ähnlich. Beim Autofahren wird sie ja schon nervös, sobald sie ein Polizeiauto sieht, weil die sicher ganz genau wissen, dass sie was im Schilde führt, auch wenn sie es selbst noch nicht weiß. Dementsprechend spielt sich eine Partie Mr. Jack zwischen uns beiden ein wenig wie der 100m-Lauf der Orientierungslosen. Aber hey, was soll’s, wenigstens sind wir auf einem vergleichbaren Level.

Neu für mich im März

Die Liste der Neuheiten war diesen Monat eher überschaubar. Immerhin gab’s zwei für mich neue Titel.

Black Seas

Mein Kumpel Daniel hat sich kürzlich das Master & Commander Starter-Set von Black Seas zugelegt. Nachdem er sich die Mühe gemacht hat, die schicken Schiffchen zusammenzubauen und zu bemalen, musste das Spiel selbstverständlich getestet werden (das war schließlich kein simples Unterfangen – da ist Garn für die Takelagen in der Schachtel, GARN!). Eine Premiere für mich: ich habe damit zum ersten Mal ein Tabletop-Spiel gespielt, das thematisch in der Segelschiff-Ära angesiedelt ist. Normalerweise fliege ich ja eher mit Raumschiffen durch die Gegend oder kommandiere Orks herum. Wenn es wirklich die reale Welt sein soll, dann müssen da schon ein paar Panzer her. Aber Segelschiffe? Klingt irgendwie eher behäbig, dachte ich.

Ist aber nicht so – jedenfalls nicht in Black Seas. Stattdessen rasen die Briggs und Fregatten pfeilschnell über den Spieltisch, tauschen Breitseiten aus, versuchen einander zu entern und streichen nach ein bis zwei ordentlichen Treffern auch schnell die Segel. Unser Einführungsspiel mit zwei Briggs und einer Fregatte pro Seite war in unter zwei Stunden gespielt. Tabletops, die man auch mal eben in der Woche spielen kann sind ja nicht so reich gesät, von daher ist das für mich ein Pluspunkt. Gleichzeitig hatte man trotzdem das Gefühl, das richtig was passiert ist – im Gegensatz zu einem Star Wars: Armada zum Beispiel, wo ich am Ende der Schlacht das Gefühl hatte, dass sich die dicken Schiffe kaum vom Fleck bewegt haben.

Black Seas Schiffe
Wenn sie einmal zusammengebaut und bemalt sind, machen die Schiffchen echt was her auf dem Tisch.

Regeltechnisch ist Black Seas recht konventionell – es wird viel gewürfelt, und gerade bei wenigen Schiffen können ein paar gute oder miese Würfel durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden. Der Abstraktionsgrad ist relativ hoch; die Trefferpunkte der Schiffe repräsentieren gleichzeitig die Hülle des Schiffes wie auch die Stärke der Crew. Dadurch ist das Spiel aber auch einfach zu handeln. Etwas unintuitiv waren für mich nur die Wind-Regeln, aber mit ein paar weiteren Partien sollte man die in den Griff bekommen. Black Seas darf gerne wieder auf den Tisch, sobald an Tabletop-Abende wieder zu denken ist.

Nagaraja

Mein zweites neues Spiel in diesem Monat war Nagaraja – neben Mr. Jack also noch ein Zweispieler-Titel mit Beteiligung von Bruno Cathala also. Thematisch verkörpern wir zwei konkurrierende Expeditionen, die an einem Zwillingstempel in Indien herumbuddeln. Wir wollen möglichst schnell wertvolle Artefakte freilegen. Dazu bieten wir jede Runde auf ein Wegeplättchen, mit dem wir uns durch das innere des Tempels hin zu den verdeckt ausliegenden Artefakten bewegen. Dabei geben wir nicht direkt Gebote ab, sondern bekommen über Karten verschiedene Würfelstäbchen, die uns je nach Ergebnis Punkte zum Bieten oder die Möglichkeit, Aktionskarten auszuspielen liefern. Über die Aktionskarten können wir wiederum unseren eigenen und den gegnerischen Tempel manipulieren. Wer zuerst 25 Punkte sammelt, gewinnt – es sei denn, man deckt alle drei verfluchten Artefakte auf, dann verliert man sofort.

Nagaraja Spielsituation
Meine Ausgrabungsstätte sieht noch ziemlich dürftig aus, dabei neigt sich die Partie bereits dem Ende entgegen.

Nagaraja funktioniert mechanisch tadellos und enthält Elemente, die man in der Kombination noch nicht in anderen Zweispieler-Spielen gesehen hat. Wenn man dem Spiel etwas vorwerfen kann, dann, dass das Aufwand-Nutzen-Verhältnis nicht stimmt. Für das, was man am Ende tatsächlich beeinflussen kann, wirkt mir das Spiel recht kompliziert. Manche taktische Möglichkeit, die das Spiel theoretisch bietet, kommt durch den Zufallsfaktor und die kurze Spieldauer nie zum tragen: so kann ich zum Beispiel mit Aktionskarten Informationen darüber sammeln, wo beim Gegner oder bei mir selbst welche Reliquie liegt, und diese dann möglichst vorteilhaft umsortieren. Nützt nur nichts, wenn das Spiel schon fast vorbei ist, ehe ich allzu viel über das Layout der Tempel erfahren habe, und ich in den entscheidenden Runden einfach nicht die Symbole würfele, die ich brauche, um Karten auszuspielen – oder ich die Karten halt einfach benötige, um auch zwischendurch mal erfolgreich auf ein Plättchen bieten zu können.

Unterm Strich sicher kein schlechtes Spiel, aber für einen Regalplatz bei uns daheim wird es nicht reichen. Dafür haben wir schon zu viele wirklich tolle Zweispieler-Titel in der Sammlung.

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