Magic: The Gathering – Throne of Eldraine Boosterdraft-Turnier

Sechs Küchentisch-Magic-Spieler begeben sich auf ein märchenhaftes Abenteuer: wir haben das aktuelle Magic: The Gathering Set Throne of Eldraine gedraftet und ein kleines Turnier ausgespielt!

Von Sushi Go! bis über 7 Wonders bis Blood Rage: Drafting als Mechanismus in Spielen ist mir an sich nicht fremd. Aber Magic: The Gathering draften – das ist neu und aufregend für mich! Meine einzige Draft-Erfahrung bislang war ein einziger Versuch in MTG Arena – gegen Bots, und ich schiebe es mal bequemerweise auf ebendiese, dass dabei ein sehr dürftiges Deck herausgekommen ist. Von daher habe ich mich tierisch gefreut, dass wir es geschafft haben, eine kleine Draft-Runde für Throne of Eldraine auf die Beine zu stellen! Gleichzeitig war ich ein bisschen nervös. Würde ich es hinbekommen, etwas konsistentes und spielbares zusammenzustellen?

Der Draft

Da ich bereits seit einigen Wochen fleissig MTG Arena gespielt hatte, hatte ich am Tag X meine Hausaufgaben gemacht und kannte die Karten im Set schon recht gut. Das ging nicht allen so – zwei Spieler waren relativ lange raus aus Magic, einer bereits seit der Schulzeit (was für uns Anfang- bis Mitdreißiger doch schon ein paar Tage her ist). Nachdem eine Auffrischungspartie gespielt und die Draft-Regeln erklärt worden waren, ging es ans Eingemachte und die ersten Booster wurden angebrochen. Mein Plan war es, mich erst einmal an der ersten Rare zu orientieren und von dort aus weiterzusehen. Nun, kaum ein Plan hat je die erste Berührung mit dem Feind überdauert: im ersten Pack war das nämlich das grüne Land Castle Garenbrig – keine Karte, um die man ein Deck aufbauen könnte. Rettung nahte bei den Uncommons:

Fünf Mana, davon doppelt rot – klar, das ist schon eine Hausnummer. Aber mit ihrer Fähigkeit könnte Carah genau die Karte sein, die es braucht, damit einem roten Deck gegen Midrange-Decks nicht die Puste ausgeht. Also mal schauen, was Rot in den kommenden Packs so zu bieten hat! Mit Pack zwei kam dann auch gleich Plan B um die Ecke, den mein Nebenmann hatte dieses hübsche Stück Bosheit auf vier Beinen weitergegeben:

Puh, nach Doppelrot also Doppelgrün. Meine Aufmerksamkeit war nun definitiv auf diese beiden Farben gelenkt, auch wenn ich beim zweiten Pack noch einen kleinen Flirt mit Weiß hingelegt habe. Ein paar Karten, die definitiv ihren Weg ins Deck finden würden, standen direkt fest: eine Double-Strike-Kreatur wie Raging Redcap kann sehr schnell zu einer Bedrohung werden, um die sich der Gegner kümmern muss. Syr Faren kann andere Kreaturen (idealerweise unseren durchgeknallten Doppelschlag-Goblin) verstärken, und Edgewall Innkeeper liefert eine in grün-rot sehr willkommene Kartenzieh-Fähigkeit, wenn man genug Kreaturen mit der in diesem Set reich vertretenen Abenteuer-Mechanik spielt.

Anschließend wollten alle Karten gesichtet und zu einem möglichst runden Deck mit einer ordentlichen Manakurve verbaut werden. Herausgekommen ist ein schönes, aggressives Deck mit ein wenig „Burn“, ganz nach meinem Geschmack.

Die Spiele

Zeit also für den Praxistest! Und da gab es gleich mächtig auf den Deckel. Erster Gegner war ein Deck in den Izzet-Farben. Dessen Spieler, Stefan, hatte als einziger einen Planeswalker (The Royal Scions) gedraftet, vor dem ich mächtig Respekt hatte. Mein erster Fehler war es, meinen Mulligan nicht aggressiv genug auszunutzen. Nach einem Mulligan bin ich mit einer viel zu langsamen Kartenhand aus sechs Karten ins Spiel gegangen (keine Kreaturen mit 1 Mana Kosten, nur Syr Faren mit Kosten doppelgrün, aber keine zwei grünen Länder). Die zweite Runde lief nicht viel besser, und so hieß es am Ende 0-2 und ich war erstmal im Topf der Erstrundenverlierer gelandet.

In der zweiten Partie gegen Sven und sein schwarz-weißes Ritter-/Lifegain-Deck lief es besser, was auch am Edgewall Innkeeper auf meiner Starthand lag. Dieses Mal konnte ich frühzeitig Druck aufbauen und mir zugleich mit Edgewall Innkeeper und später Syr Carah einen nicht einholbaren Kartenvorteil erspielen.

Throne of Eldraine bietet jede Menge Ritter-Karten, nicht nur in weiß und schwarz sondern auch in für diesen Kreaturentyp eher untypischen Farben wie blau.

Am Ende stand es 2-0, und in der dritten und letzten Runde ging es gegen den Gastgeber Daniel, der zuvor zwei 2-0 Siege (unter anderem gegen meinen Erstrundengegner Stefan) einfahren konnte.

Bei dem Matchup war durchaus was drin. Daniels rot-weißes Deck war ebenfalls sehr aggressiv unterwegs, wurde aber in Runde 1 von Syr Faren + Insatiable Appetite in Kombination mit einer weiteren Kreatur plattgewalzt. Runde zwei und drei gingen allerdings an Daniel, dessen Bonecrusher Giant kurzen Prozess mit mir machte. Megacoole Karte für aggressive rote Decks, und eine echte Bombe im Boosterdraft. Mein Trostpreis: immerhin als einziger eine Runde gegen den Turniersieger gewonnen!

Mtg Booster-Draft-Turnier Abschlusstabelle
Das Abschlussranking. Da es bei mir nur für Platz 4 gereicht hat, behaupte ich einfach mal, dass sich jeder, der Spaß hatte, auch als Sieger fühlen darf 😉

Kleines Zwischenfazit zu meinem Deck: 

  • Wicked Wolf ist eine coole Karte, in meinem Deck fehlten allerdings die Food-Produzenten, um ihn wirklich ausnutzen zu können.
  • In den erfolgreichen Runden waren Syr Carah, Edgewall Innkeeper und mit Abstrichen Syr Faren meine Lebensversicherung. Syr Faren allein bringt allerdings auch nicht viel, er braucht mindestens eine weitere Kreatur zum pushen. Raging Redcap wurde jedes Mal sofort aus dem Spiel genommen – der ist einfach zu unangenehm, wenn er auf dem Tisch bleibt.
  • Mindestens eine weitere One-Drop-Kreatur wäre schön gewesen, das hat der Draft aber leider nicht hergegeben.

Gedanken danach

Mein erster Booster-Draft hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich kann jedem Gelegenheitsspieler nur wärmstens empfehlen, seine Sammlung im Rahmen eines solchen Events zu erweitern, statt Booster zu kaufen und sie allein im stillen Kämmerlein zu öffnen. Das 40-Karten-Deck, mit dem man aus so einem Draft herausgeht, kann zumindest auch schon den Grundstock für ein schönes Standard-legales Casual-Deck bieten, das man dann schrittweise verbessern kann.

Dass ich so viel Spaß hatte, lag einerseits am Format an sich, aber auch am aktuellen Set. Bei allen berechtigten Klagen um eine Standard-Umgebung, die bis zum Bann von Oko, Thief of Crowns gefühlt zu 100% aus 3/3er Elchen bestand – zum Draften ist Throne of Eldraine ein grandioses Set. Wie großartig die Abenteuer-Mechanik ist, ist mir eigentlich erst hier so richtig klar geworden. Natürlich gibt es in jedem Set starke und schwache Karten, aber dank der Abenteuer möchte ich behaupten, dass es in Eldraine keine einzige langweilige Karte gibt. Ich muss mich nicht mit öden Vanilla-Kreaturen ohne Fähigkeit herumschlagen, wie man sie aus älteren Core-Sets und Intro-Decks kennt. Selbst eine recht schlappe Karte wie Curious Pair tut etwas Interessantes. Ich fand es auch klasse, dass beim Draften sechs Decks herausgekommen sind, die sich wirklich komplett unterschiedlich angefühlt haben, von schwarz-grüner Food-Synergie über schwarz-blau Mill zu grün-rot oder weiß-rot Aggro. Jeder Spieler ist definitiv mit einem Deck nach Hause gegangen, das spürbar seins ist. Das Gefühl hat man definitiv nicht, wenn einfach mal ein Booster aufreißt!

In Throne of Eldraine können viele Karten auf ein Abenteuer geschickt werden., ehe sie anschließend als Kreaturen ausgespielt werden.

Ihr merkt schon, dass das Draften mich ziemlich begeistert hat. Ein paar Dinge würde ich euch allerdings für Euren ersten Draft unbedingt empfehlen (Kinder, macht nicht die gleichen Fehler wie wir…):

  • Bringt Zeit mit. Unser Draft-Turnier hat ca. 7 Stunden gedauert. Ist bei uns zum Glück nicht passiert, aber es wäre verdammt ärgerlich gewesen, wenn jemand kurz vor Schluss den Abflug gemacht hätte. Eigentlich hätten wir aber gerne noch eine weitere Runde gespielt; das war zeitlich dann einfach nicht mehr drin.
  • Seid regelfest. Dass unser Turnier so lange gedauert hat, lag natürlich auch daran, dass einige Spiele erstmal grundsätzlich Spielregeln auffrischen mussten. Das kostet natürlich Zeit. Neulinge und Wiedereinsteiger treffen sich daher am Besten ein paar Tage vorher schon mal auf zwei bis drei Partien Magic.
  • Schaut euch das Set vorher an. Eine weitere Zeitersparnis ist es, wenn alle Beteiligten den Kartenpool und die Schlüsselmechaniken des aktuellen Sets bereits einigermaßen kennen. Das beschleunigt den Draft und lässt mehr Zeit zum Spielen. Websites wie Magicspoiler oder Scryfall helfen euch dabei.

Unterm Strich war unser Draft ein tolles Event, das alles eingehalten hat, was ich mir davon versprochen hatte. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle Mitspieler, und insbesondere an Moe fürs Organisieren der Karten und Daniel für die Gastfreundschaft. Lasst uns das unbedingt bald wiederholen!

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