Berlin Con 2019 – Höher, schneller, weiter!

Juli, das bedeutet Sommer, Freibad, Urlaub! Für Brettspieler bedeutet das aber auch: auf nach Berlin, um mit gleichgesinnten zwei Tage zu spielen bis die Köpfe rauchen; auf zur BerlinCon! Ich war am vergangenen Wochenende zum dritten Mal dabei, ein paar unsortierte Gedanken zur Con gibt es nun hier zum Nachlesen.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Schön war’s wieder da zu sein. Die Gegend zwischen Anhalter Bahnhof und Gleisdreieck haben wir schnell lieb gewonnen, und wieder hierherfahren war dieses Jahr schon ein bisschen wie nach Hause kommen. Langsam bilden sich auch schon Traditionen heraus – zum Beispiel ein Abstecher zum nahegelegenen Biergarten der Craft-Bier-Brauerei Brlo, und auch Bouldern beim Bright Side Boulder Projekt, um den Kopf nach einem langen Spieletag frei zu bekommen, gehört für uns bereits zum festen Berlin Con Repertoire.

Warum gibt es eigentlich noch kein Brettspiel über Bouldern?

Berlin Con, was bist du groß geworden. Es war nicht zu übersehen: Die Berlin Con wächst Jahr für Jahr fleißig weiter (was ich ganz toll für dieses Hobby und für die Veranstaltung finde!). Vom Kühlhaus am Gleisdreieck ging es in die deutlich geräumigere Nachbar-Location STATION Berlin.

Direkt nachdem wir die Halle am Samstag betreten haben, ist uns das erste Mal bewusst geworden, dass es sich doch schon um eine echte Großveranstaltung handelt. Für einen ganz kurzen Moment stellte sich am ein Essen-Moment ein, indem man sich ein ganz kleines bisschen von Trubel, Lärm und Menschenmassen erschlagen gefühlt hat. Das lag sicher auch an der offeneren Location, die eher als das verwinkelte Kühlhaus ihre Größe erkennen ließ.

Aber der Moment war schnell verflogen und für mich selbst wenig später kaum noch nachvollziehbar. So voll war das doch gar nicht! Solange man den Flohmarkt am Samstag vermeidet, jedenfalls. Im freien Spielbereich war meist reichlich Platz (Samstag gegen Abend wurde es etwas voller), und im geräumigen Hof wurde man nicht tot getreten. Da scheint noch ein bisschen Spielraum für weiteres Wachstum gegeben zu sein.

Für ein paar visuelle Eindrücke von der Location verweise ich an dieser Stelle einfach mal auf den kurzen und knackigen Berlin Con Bericht von Spiel doch mal…! auf YouTube. Dort gibt’s auch Impressionen vom Freitagabend, den wir komplett ausgelassen haben.

Die Veranstalter lernen jedes Jahr dazu. Das Organisationsteam rund um die beliebten YouTuber Hunter & Cron versucht jedes Mal ein bisschen besser zu werden. Der Einlass beispielsweise war im Vergleich zum Vorjahr super entspannt. Bei Essen und Getränken gab es eigentlich auch nur selten längere Schlangen. Nur den tollen Pizzastand vom letzten Jahr haben wir schmerzlich vermisst…

Irgendwie doch nur ein großes Familienfest. Die Stimmung auf der Berlin Con habe ich wieder als sehr angenehm und familiär empfunden. Und irgendwie trifft man mittlerweile auch alle Nase lang bekannte Gesichter.  Schon sehr cool, wenn man sich im freien Spielebereich einmal kurz umsieht und schon sitzt wieder jemand Bekanntes am Nachbartisch. Besonders hoch ist anscheinend das Risiko Hannoveranern zu begegnen. In Hannover passiert mir das nie… 😉

Die Berlin Con ist auf jeden Fall zum festen Bestandteil unseres Kalenders geworden. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr – aber erstmal sieht man sich in Essen!

Meine Top-Spiele der Con

Ach ja, Spiele gab es da natürlich auch. Jede Menge sogar. Daher an dieser Stelle zum Abschluss noch in aller Kürze meine Top 3 Spiele, die ich auf der Berlin Con 2019 gespielt habe:

  1. Flügelschlag von Elizabeth Hargrave, erschienen bei Feuerland.
    Flügelschlag Spielsituation
    Flügelschlag! Endlich!

    Endlich habe ich es dann auch mal gespielt, einen Tag, bevor Flügelschlag den Kennerspiel-Preis einheimsen durfte. Ja, es gab eine Menge „Hype“ um dieses Spiel, und nein, ich weiß nicht, ob es wirklich für JEDEN ein so tolles Spiel ist. Aber für MICH ist es das. Nach meiner ersten Partie, auf die ich so lange gewartet habe, hätte ich direkt eine zweite dranhängen wollen. Ich könnte stunden damit verbringen, Würfel in das Vogelhäuschen zu werfen oder die Flügelspannweiten aller Vogelkarten auswendig zu lernen. Mein zehnjähriges ich, das stundenlang vor der Volière saß und geschaut hat, was seine Kanarienvögel machen, hätte sich genau dieses Spiel gewünscht.

  2. Belratti von Michael Loth, erschienen beim Mogel-Verlag.
    Belratti Cover und Rollenkarten
    Belratti, der Meisterfälscher!

    So eine unscheinbare Box, und so ein Klassespiel! Letztes Jahr in Essen ist Belratti komplett an mir vorbeigegangen. Am Tag der Brettspielkritik habe ich es dann mehr zufällig ausprobieren dürfen und war ziemlich begeistert. Der Mechanismus, mit dem Belrattis Fälschungen ins Spiel kommen, die die Spieler beim Karten raten vermeiden müssen, ist so einfach, dass er eigentlich nicht funktionieren sollte: einfach vier Karten vom Nachziehstapel ziehen und mit den Karten mischen, die die Spieler ausgewählt haben. Und doch sind die Karten einfach so clever gestaltet, dass die Werke des Meisterfälschers immer wieder besser passen, als alles, was die menschlichen Maler ausgewählt haben. Nach der Testrunde in Berlin hatte ich leider keine Chance das Spiel zu kaufen. Weil meine Frau schneller war.

  3. Copenhagen von Asger Harding Granerud und Daniel Skjold Pedersen, erschienen bei Queen Games.
    Copenhagen Spielsituation
    Meine Fassade war vielleicht nicht schön aber zweckmäßig – zum Sieg hat’s am Ende knapp gereicht.

    Von diesen Tetris-mäßigen Puzzlespielen gibt es ja nun auch schon einige. Die meisten mag ich, viele habe ich anschließend aber auch schnell wieder vergessen. Bei Copenhagen könnte das anders sein. Das Spiel ist einfach so sauber auf das wesentliche runter designt. Es fühlt sich an, als hätte Zug um Zug Patchwork geküsst. Das kleine Spekulationselement am Spielende gefällt mir sehr gut – mache ich mit Kleinzeug noch schnell einen Punkt, ziehe an den anderen vorbei und das Spiel endet, während ich vorne liege? Oder schaffen es die anderen noch, die Karten zu sammeln, die sie brauchen, um die ganz dicken Punkte einzufahren und vorbeizuziehen, ehe die Spielende-Karte kommt? Tolles Familienspiel (nicht nur, weil ich mal was gewonnen habe…).

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