Undo: Fluch aus der Vergangenheit (Rezension)

Zeitreise-Plots können einfach nicht gutgehen. Entweder war am Ende die Zeitreise selbst vorherbestimmt und jedes Eingreifen in die Vergangenheit führt nur zum Ausgangspunkt zurück, oder es kommt zu hochpeinlichen romantischen Verwicklungen mit den Teenager-Ausgaben der eigenen Vorfahren. Ich habe mich trotzdem an Undo herangewagt – aufgrund der gerade genannten Vorbehalte lässt sich das nun auch schlecht wieder rückgängig machen.

Wir ziehen die Schicksalsfäden…

Die Prämisse von Undo klingt spannend – als körperlose Zeitreisende, sogenannte „Schicksalsweber“ versuchen wir, den Tod eines Menschen ungeschehen zu machen, indem wir an verschiedene Punkte der Vergangenheit zurückreisen. In Fluch aus der Vergangenheit hat es zum Beispiel eine ältere Dame erwischt, die zu Spielbeginn über ein Geländer mehrere Stockwerke tief in den Tod stürzt.

Dieses Schlamassel sollen wir nun bereinigen. Regelstudium ist dafür nicht notwendig. Die ersten paar Karten des Spiels erklären uns zügig den Aufbau und das Spielprinzip, es geht sofort mitten ins Geschehen. Wir sind angehalten, möglichst angeregt über unsere Ideen zur Auflösung der Geschichte zu diskutieren. Dann wählt der aktive Spieler einen Ort und Zeitpunkt, repräsentiert durch eine Geschichtenkarte, an die wir zurückspringen wollen.

Spielaufbau von „Undo: Fluch aus der Vergangenheit“.

Decken wir eine Karte auf, bekommen wir zunächst ein kleines Bruchstück der Geschichte. Die Story von Fluch aus der Vergangenheit ist, mal nur von der Schreibe her betrachtet übrigens ganz ok – keine hohe Literatur, aber auch kein andauerndes Fremdschämen. Unten auf jeder Karte wartet dann die Möglichkeit, durch das Beantworten einer Frage mit drei vorgegebenen Antwortmöglichkeiten die Geschichte positiv oder negativ zu beeinflussen. Kreative Rätsel oder Überraschungen im Stile eines Escape-Room-Spiels sucht man vergebens – im Kern ist Undo ein Multiple-Choice-Test mit Zeitreise-Thema. Das mag das Spiel noch einen Tick einsteigerfreundlicher machen als die typische EXIT-Box, aber leider eben auch eintöniger.

Für unsere Schicksalsweber-Hausaufgaben können wir  nicht alle Orte abklappern, denn jeder Sprung kostet uns eine Zeitkarte. Davon haben wir in Fluch aus der Vergangenheit neun, während insgesamt zwölf Orte zu besuchen wären. Wird nicht angeregt diskutiert, sondern eher durch die Sprünge hindurchgeeilt, ist Undo ein ziemlich kurzes Vergnügen. Wir haben uns extrem viel Zeit gelassen, und waren in knapp unter einer Stunde durch. Wer es eilig hat, schafft es sicher auch in einer halben.

…aber haben die Fäden nicht in der Hand

Am meisten Spaß macht bei Undo definitiv das Mutmaßen über den Verlauf der Geschichte und die Diskussionen, wohin denn die Reise als nächstes gehen soll. Die eigentlichen Entscheidungsmöglichkeiten auf den Karten habe ich aber leider oft als banal empfunden. Sobald man ungefähr weiß, worauf die Story grob abzielt, sind die Entscheidungen ziemlich offensichtlich – nur bei den ersten 1-2 Karten ist man ziemlich im „Blindflug“ unterwegs. Aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass uns das Spiel solange es dauerte nicht unterhalten hätte.

Leider hat Undo einen Haufen Probleme, die spätestens sichtbar werden, wenn das Spiel endet und es an die Wertung geht. Dann gehen Mechanik und Thema nämlich ganz weit auseinander. Auch Entscheidungen, die den bisherigen Verlauf der Geschichte unmöglich machen sollten, bringen nur ein paar magere Pünktchen (meistens -1, 0 oder 1, manchmal -2 oder 2 Punkte). Und da eben jede Karte nur für sich allein steht und lediglich Punkte gezählt werden, tritt dann auch kein Butterfly-Effect-Gefühl auf. Wo wir Entscheidungen getroffen haben, ist völlig egal, es zählen nur die Gesamtpunkte. Am Ende fühlt sich alles, wo man so seine Nase reingesteckt hat, doch ziemlich beliebig an, und das ist sehr schade.

In unserem Fall war es so, das wir am Ende den Tod der älteren Dame nicht verhindern konnten. Bei der zweiten Karte, bei der wir noch nicht recht wussten, worauf die Geschichte hinauslief, haben wir uns durch eine falsche Entscheidung zwei Minuspunkte eingefangen. Bei gerade einmal neun gespielten Karten, von denen nur wenige doppelt punkten, ist das verheerend – damit waren wir am Ende einen Punkt unter der recht willkürlich gezogenen alles-wird-gut-Grenze und eben gescheitert. Meine Frau war daraufhin so wütend, wie ich sie schon lange nicht mehr bei einem Spieleabend erlebt habe. Die Wertung hat ihr das Spielerlebnis ganz gründlich kaputt gemacht. Klar, man könnte noch mal Spielen, um das Ergebnis zu optimieren. Aber dafür gibt es dann doch nicht genug zu entdecken, auch wenn das Spiel uns dazu zwingt, einige Geschichtskarten auszulassen.

Ich wollte mir mit meiner Rezension eigentlich Zeit lassen und zunächst alle drei Boxen spielen – nach Fluch aus der Vergangenheit glaube ich aber leider, dass es dazu so schnell nicht kommen wird. Dazu gibt es einfach zu viele interessantere Escape-Room- und Abenteuer-Spiele auf dem Markt. Undo ist mir am Ende spielerisch zu simpel, zu starr, um einen Zeitreiseplot glaubhaft darzustellen, und in der Endwertung einfach zu unthematisch. Das ist sehr schade, denn gerade nach Exit: Der Tote im Orient Express haben meine Mitknobler und ich festgestellt, dass wir richtig Lust auf Abenteuerspiele mit stärkerem Story-Anteil haben.

TL;DR

Undo verspricht ein Zeitreiseabenteuer im Taschenformat. Leider ist das Spielsystem nicht robust genug, um dieses Versprechen einzuhalten. Statt einer mitreißenden Erzählung gibt es am Ende nur eine nüchterne Auswertung eines Multiple-Choice-Tests, die mit dem Spielgeschehen nur wenig zu tun hat.

Undo: Fluch aus der Vergangenheit, von Michael Palm und Lukas Zach, mit Illustrationen von Lea Fröhlich und Christian Schob. Ein Spiel für 2-6 Spieler ab 10 Jahren, erschienen 2019 bei Pegasus Spiele. Spielzeit: 45-90 Minuten. Preis: ca. 10€.

Typ:
Familienspiel
Wertung:
– mäßig

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