Noch mal! (Rezension)

Würfel werfen, bunte Felder ankreuzen, und sobald ein Sieger feststeht, gleich Noch mal! spielen. So oder ähnlich läuft eine Partie des Würfelspiels von Inka und Markus Brand.

Würfeln, würfeln, Kreuzchen machen…

Noch mal! ist ein Roll-and-Write-Spiel, bei dem die Spieler versuchen, mit einer Kombination aus Farb- und Zahlenwürfeln möglichst flott ihre Spielblätter zu füllen und so Punkte abzusahnen. Das Spielmaterial besteht Genretypisch aus Würfeln, einem Block mit Spielblättern und Stiften. Die Qualität des Gebotenen ist ok. Nicht so gut gefallen mir die kleinen Filzstifte, die stark zum Schmieren neigen. Bleistifte wären vielleicht etwas schlechter zu sehen, mir aber unterm Strich lieber gewesen. Zweites kleines Manko: die optisch durchaus ansprechend gestalteten Spielblätter sind leider nicht beidseitig bedruckt. Zu guter Letzt liegen die großen Würfel gut in der Hand und sehen anfangs auch hübsch aus, zumindest die weißen Farbwürfel sehen nach einem Dutzend Runden aber auch ein wenig abgekämpft aus.

Noch mal! Würfel
Die Würfel sehen nach etwa einem Dutzend Partien schon etwas lädiert aus.

In jeder Runde würfelt der Startspieler alle sechs Würfel. Dann wählt er eine Kombination aus einem Zahlen- und einem Farbwürfel und streicht die seiner Würfelauswahl entsprechende Anzahl Felder ab, wobei einige Regeln beachtet werden müssen: es darf immer in der Anfangsspalte H oder angrenzend zu eigenen Kreuzchen abgestrichen werden, und alle Kreuze müssen im gleichen zusammenhängenden Farbgebiet eingetragen werden.

Abgesehen von den ersten drei Runden, die etwas anders ablaufen (hier stehen allen Spielern alle sechs Würfel zur Verfügung) dürfen dann die übrigen Spieler aus den verbliebenen vier Würfeln wählen. Ist anschließend eine Spalte oder Farbe komplett gefüllt, dürfen sich die Spieler die entsprechenden Punkte abstreichen. Dabei erhält der erste Spieler, der eine Spalte oder Farbe vollständig gefüllt hat die jeweils höhere Punktzahl, wer später dran ist, muss sich mit weniger Punkten zufrieden geben. Sich frühzeitig nach außen ausbreiten kann sich dabei lohnen, da die weiter vom Start entfernten Spalten deutlich punkteträchtiger sind als die Spalten in der Mitte.

Noch mal Spielmaterial
Das Spielmaterial von Noch mal!

Daneben gilt es noch, möglichst viele Sterne auf dem Spielplan abzukreuzen, da diese ansonsten am Spielende Minuspunkte einbringen. Ein bisschen Flexibilität bringen Joker-Würfel, die den Spieler eine beliebige Anzahl Felder oder eine beliebige Farbe abstreichen lassen – allerdings muss bei Nutzung eines solchen Würfels einer von acht Jokern auf dem eigenen Spielblatt abgestrichen werden. Das Spiel endet nach der Runde, in der ein Spieler seine zweite Farbe komplett abgestrichen hat. Dann werden die Punkte für vollständige Reihen und Farben sowie verbliebene Joker addiert und Punkte für nicht abgestrichene Sterne abgezogen. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Nicht gleich noch mal, aber gerne mal wieder

„Bei einer Partie bleibt’s nie“ prangt auf dem Cover von Noch mal! Tatsächlich möchte ich dieser Aussage, ohne das Spiel schlecht machen zu wollen, hier und jetzt widersprechen. Im Gegenteil finde ich, dass eine Partie Noch mal! exakt die richtige Länge hat. Es ist definitiv kein Spiel, dass ich mehrmals in einer Reihe spielen möchte – dafür gibt es hier nicht genug, was meine Aufmerksamkeit über zwanzig Minuten hinaus fesseln könnte.

Das soll nicht heißen, dass mir das Spiel nicht gefällt, ganz im Gegenteil. Es hat seine Nische, die es wunderbar auszufüllen vermag: Noch mal! ist ein angenehmer Zeitvertreib, nicht über die Maßen aufregend, aber gut für den kleinen Spielehunger zwischendurch. Es ist beispielsweise dafür prädestiniert, mit auf Reisen zu gehen, wo es auch auf kleinen Hoteltischen seinen Platz findet und mal eben für eine Partie zwischen Sightseeing und Abendessen hervorgeholt werden kann. Es spielt sich flott, und jeder Mitspieler ist bei jedem Würfelwurf ins Geschehen involviert.

Wie bei Roll-and-Write-Spielen üblich lässt sich das Spielprinzip grundsätzlich auf eine beliebige Anzahl Mitspieler ausweiten. Im Gegensatz zu einem Rolling Ranch, bei dem mit der absurden Höchstspieleranzahl von 20 Spielern geworben wird, hat man bei Noch Mal! für Spieler-Maximum von sechs entschieden. Ich persönlich würde diese Zahl eher niedriger ansetzen: Zu dritt oder viert würde ich es noch spielen, aber für mich glänzt Noch mal! vor allem als Zweispielerspiel. Hier habe ich als würfelnder Spieler öfter die Möglichkeit, dem Gegner bewusst Optionen vorzuenthalten statt nur darauf zu schauen, dass ich selbst meine Kästchen möglichst effizient gefüllt bekomme. Bei mehreren Mitspielern fällt es zudem zunehmend schwerer zu überblicken, was auf den kleinteiligen Spielblättern der Gegner überhaupt passiert. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ein Solomodus vorhanden ist, der mich bei dieser Art Spiel allerdings grundsätzlich wenig interessiert (sorry, liebe Solospiel-Freunde).

Noch mal! ist zwar simpel, aber trotzdem nicht frei von taktischen Erwägungen ist. Versuche ich z.B. mich schnell nach außen auszubreiten oder fülle ich flott ein paar Reihen in der Mitte? Die Würfel bestimmen zwar den Takt des Spiels, aber ich fühle mich ihnen nicht ausgeliefert; erst gegen Ende des Spiels sind meine Optionen so reduziert, dass ich einen sehr spezifischen Wurf benötige, und dann bin ich vielleicht auch ein bisschen selbst schuld, wenn ich zu diesem Zeitpunkt keine Joker mehr habe.

Noch mal Spielblatt
Das Spielblatt am Ende einer Partie.

Unterm Strich ist Noch mal! ein ordentliches Würfelspiel der Kategorie „Filler“, das man auch Gelegenheitsspielern, die bislang eher mit Kniffel und Co. vertraut sind, leicht näherbringen kann.  Ich spiele es jedenfalls gerne noch mal. Nur nicht unbedingt gleich zwei Mal hintereinander.

TL;DR

Unaufgeregtes Würfeln und Kreuzchenmachen für unterwegs oder zwischendurch. Flotter Spielfluss, vor allem im Spiel zu zweit.

Noch mal! von Inka und Markus Brand, ein Spiel für 1-6 Spieler ab 8 Jahren, erschienen 2016 bei Schmidt Spiele. Spielzeit: 20 Minuten. Preis: ca. 12€.

Typ:
Familienspiel
Wertung:
– solide

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