Gedanken zur Berlin Con 2018

Das war also die Berlin Brettspiel Con 2018 – die vierte insgesamt, die zweite für mich und die erste für mich über die volle Distanz von zwei Tagen und in Begleitung meiner charmanten Ehefrau. Ein paar unsortierte Gedanken.

Größer und besser

Der Samstagmorgen am Gleisdreieck begann bereits mit einer amtlichen Warteschlange. Schnell war allerorts von einem neuen Besucherrekord die Rede, und zumindest beim Warten war doch die Sorge da, ob die Veranstalter auf diesen Ansturm vorbereitet sein würden. Kommt da etwa ein kleines Essen 2.0 auf uns zu? Einmal durch den Einlass und an der Mega-Flohmarktschlange vorbei, hat sich diese Sorge schnell zerstreut. Zu zweit fand man eigentlich immer irgendwo einen freien Tisch (wenn halt auch nicht gerade just in diesem Moment bei dem einen Spiel, das man sich in den Kopf gesetzt hat. Ein bisschen Flexibilität ist dann doch gefragt). Die Berlin Con, die nun bis in den fünften Stock des Kühlhauses gewuchert war, ist erfolgreich mit seinem Publikum mitgewachsen. Besonders gut hat mir der freie Spielebereich mit Spielebibliothek gefallen. Die Ausleihe gestaltete sich stressfrei, die Auswahl war gut, und zumindest am Sonntag waren ganztägig genug Plätze vorhanden.

Berlin Con 18 Freier Spielebereich
Im freien Spielebereich erklärt der feine Herr noch selbst. Überall sonst machen das motivierte Erklärbären.

Das mit dem Mitwachsen gilt auch für das Essensangebot, das dem Andrang nicht ansatzweise standhielt. Dieses Jahr wurde mit dem zusätzlichen Pizza-Truck vor dem Haupteingang wirksam Abhilfe geschaffen. Großes Plus: Wer wollte (und die Frau wollte) bekam dort seine Stärkungs-Pizza zwischen den Spielerunden auch vegan serviert.

Wer unbedingt über die Location meckern wollte, konnte sich höchstens darüber mokieren, dass der Name „Kühlhaus“ für Obergeschoss drei aufwärts bei den vorherrschenden Temperaturen einen gewissen ironischen Unterton bekam…

Lob der kleinen Spiele

Ich mag ja durchaus größere und komplexere Spiele und bin so allerlei zwielichtigen Titeln von Struggle bis Imperium nicht abgeneigt. Aber bei Hitze, Convention-Lärmpegel und mit schon einem halben Spieltag in den Knochen ist so eine Vierer-Partie Heaven & Ale schon eine Herausforderung für mich. Danach war für den Samstag auch Schluss, und so gerne ich beispielsweise Coimbra noch ausprobiert hätte – letztendlich sind wir dann am Sonntag doch bei den kleineren und regeltechnisch weniger komplexeren Titeln geblieben.

Zum Glück gibt es auch in dem Segment eine exzellente Auswahl. Erwähnen könnte ich hier zum Beispiel ein kleines, aber feines Bluffspiel wie Hanamikoji, das ich in Berlin erstmals ausprobieren konnte.

Entdeckung der Con war jedoch ganz klar Eiserner Vorhang von Frosted Games. Die Idee der Autoren Granerud und Petersen, die vor allem aus Twilight Struggle bekannten Mechanismen für kleinere Spiele zu adaptieren und zu kondensieren finde ich schlichtweg genial. Wahnsinn, was für eine Spannung und taktische Tiefe man in fünfzehn Spielminuten und achtzehn Karten stopfen kann. Übrigens mein erster und gleichzeitig letzter Berlin-Con-2018-Kauf – meinen Kaufrausch hatte ich dieses Mal überdurchschnittlich gut im Griff.

Berlin Con 18 Eiserner Vorhang
Eiserner Vorhang war mein Spielehighlight der Messe.

Von Kennern und Spielen

Ich gebe zu, ich bin nicht immer so up-to-date was die Nominierten des aktuellen Spiel des Jahres bzw. Kennerspiel des Jahres-Jahrgangs angeht. Wie letztes Jahr war auch dieses Mal die Berlin Con eine schöne Gelegenheit, hier noch einmal auf den letzten Drücker nachzubessern. Nun ja, das hat so halbwegs geklappt – mit Die Quacksalber von Quedlinburg und The Mind fehlen mir nach wie vor persönliche Erfahrungen mit zwei der insgesamt sechs Nominierten.

Durchaus kontrovers ist für mich dieses Jahr die Nominierung zum Kennerspiel. Da ist nämlich mit Ganz schön clever ein echtes Federgewicht auf der Liste gelandet, das mit dem richtig dicken Brocken Heaven & Ale in den Ring steigt. Wer beide direkt hintereinander spielt, muss da doch zwangsläufig den Eindruck haben, dass hier zwei Titel nicht nur in unterschiedlichen Gewichtsklassen, sondern in komplett unterschiedlichen Sportarten unterwegs sind. Nun ja, nach dem heutigen Montag sind wir schlauer.

Unser neues Lieblings-Brettspielevent

Meine Frau hat sich anfangs eher von mir breitschlagen lassen, dieses Mal mit nach Berlin zu fahren. Nach dem Wochenende ist sie restlos begeistert. Das liegt einmal natürlich am Stadterleben drumherum. Die Lage der Location in Kreuzberg ist wirklich klasse. Das fängt schon beim netten Park am Gleisdreieck an, der mir letztes Mal noch gar nicht aufgefallen ist, und geht bei den vielen Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants in fußläufiger Nähe weiter. Wir haben in einem etwas teuren, aber sehr netten Hostel in einem ehemaligen Kloster übernachtet, das ein bisschen wie aus der Zeit und dem Stadtviertel gefallen wirkte. Und dann war da noch die Möglichkeit, knappe fünf S-Bahnminuten entfernt nach einem verkopften Spieletag  draußen bouldern zu gehen. Das soll Essen mal nachmachen…

BerlinCon18 - Bouldern beim Brightside Boulder Project
Ja, ich bouldere genau so schlecht wie ich Heaven & Ale spiele…

Aber dann ist da natürlich auch die Con selbst, bei der dieses Mal eigentlich alles gestimmt hat und die sich – das Beispiel Essensversorgung hatte ich erwähnt – im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verbessert hat. Zwei Tage spielen unter entspannten, gut gelaunten Menschen, eine Menge Verlage mit einer Tonne Spiele zum Ausprobieren, viel Trubel, aber kein frustrierendes Gedrängel, was will man mehr. Außer vielleicht drei Tage spielen…

So viel zu meinen unsortierten Gedanken. Bleibt an dieser Stelle nur noch zu sagen: vielen Dank an Hunter und Cron und die gesamte Orga für ein rundum gelungenes Event. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

2 Gedanken zu „Gedanken zur Berlin Con 2018“

  1. Das klingt doch voll super 🙂 Ich wäre auch so gerne dieses Jahr hingefahren, aber vielleicht klappt es nächstes Mal^^

    Ich habe mir die Räumlichkeiten zusammen mit Hunter vorher angesehen (natürlich nur virtuell) und war von der Größe sehr beeindruckt. Ich sehe großes Potenzial für die Con in den nächsten Jahren 😉

    Von „Eiserner Vorhang“ habe ich noch nichts gehört. Wie findest Du es im Vergleich zu „13 Days“? Falls ich die Quacksalber auch mal endlich in die Hände bekomme, gebe ich dir Bescheid und wir testen es mal an 😀

    Frohes spielen noch!

    LG

    1. „Eiserner Vorhang“ ist noch mal kleiner und komplett und stärker auf den Kartenmechanismus runterkondensiert. Es ist im Grunde ein Microgame mit gerade einmal 18 Karten. Man baut mit den Karten die Weltkarte, auf der man dann versucht Regionen zu dominieren. Sehr kurzes Spiel, dauert vielleicht 15 Minuten, fühlt sich aber trotzdem so an, als hätte man gerade etwas Substantielles gespielt 😉

      In „13 Tage“ ist da doch deutlich mehr los (wenn auch bei weitem nicht so viel wie in Twilight Struggle), Area Control ist nur eine von mehreren Baustellen, es geht hier vor allem auch um den Defcon-Status und diesen geschickt steigen zu lassen, ohne dass es am Ende tatsächlich bumm macht… dabei aber immer noch ein recht kurzes Spiel (ca. 30 Minuten). Ich mag beide sehr!

      Ich bringe „Eiserner Vorhang“ mal mit wenn die Hitzewelle etwas abgeklungen ist und wir uns mal auf eine Runde Netrunner oder so treffen! 🙂

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