Deckscape: Der Test (Rezension)

Ein verschrobener Wissenschaftler hat uns in sein Labor eingeladen, damit wir einen nicht näher spezifizierten „Test“ für ihn durchführen. Was soll da schon schiefgehen? Nicht nur Escape Room-Veteranen ahnen es bereits: wenige Minuten später ist der schrullige Weißkittel weg, die Tür verschlossen und wir sitzen ganz tief in der Tinte. Da hilft nur noch rätseln, rätseln, rätseln!

So weit also die Rahmenbedingungen, mit denen wir uns in Deckscape: Der Test herumschlagen müssen. Deckscape ist ein Escape Room-Spiel, und für all jene, an denen dieser vielleicht größte Trend der vergangenen eineinhalb Spieljahre bislang vorbeigegangen ist, sei das Konzept hier noch einmal in aller Kürze erklärt.

Die Prämisse von Escape Room-Spielen ist immer ähnlich: eine Gruppe von Spielern wird in eine Situation hineingeworfen, in der sie durch das kooperative Lösen diverser Rätsel aus einem abgeschlossenen Raum entkommen müssen. Escape Room-Spiele sind normalerweise ohne Wiederspielwert: kennt man erst einmal alle Rätsel, ist ein zweiter Durchgang ohne Reiz. Zumindest mit Exit: Das Spiel habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass dieser eine Durchgang dafür eine echte Achterbahnfahrt sein kann, die für den Einwegcharakter mehr als entschädigt. Nach mittlerweile vier gespielten Exit-Abenteuern war es für mich nun endlich an der Zeit, mal über den Tellerrand zu blicken und zu schauen, was noch so auf dem Markt ist, denn andere Verlage haben schließlich auch schöne Spiele (oder so ähnlich lautet ja das alte Sprichwort): und so landete beim letzten Spieleabend mit den üblichen Exit-Verdächtigen also Deckscape: Der Test auf dem Tisch.

Die Karten sind der Schlüssel

Deckscape ist der Minimalist unter den Escape Room-Spielen. In der kleinen Box, die, wie von Exit: Das Spiel gewohnt, ein separat spielbares Einzelabenteuer enthält, befinden sich nur 60 übergroße Karten. Selbst auf eine separate Anleitung wurde verzichtet – alles, was man zum Spielen wissen muss, findet sich auf den Karten selbst. Daneben brauchen wir noch Papier und Stift für eventuelle Notizen und eine Uhr, und schon kann es losgehen. Die sonst obligatorische Schere können wir dagegen stecken lassen. Das ändert die Perspektive auf das Spielmaterial – Wahnsinn, wie schnell man sich an das kreative Kaputtmachen der Exit-Reihe gewöhnt hat!

Deckscape Spielmaterial
Papier, Stift, Karten: mehr braucht es für Deckscape nicht, die Schere hat Pause!

Die ersten Rätsel sind recht leicht und fix gemeistert, aber schnell stolpern wir auch über das größte Problem der Deckscape-Reihe. Die Beschränkung auf Karten und wirklich nur Karten bedeutet, dass Deckscape keinen separaten Auflösungsmechanismus hat, der mir verrät, wenn ich falsch liege. Sobald wir uns einig sind, dass wir eine Lösung ausprobieren wollen, drehen wir die Rätselkarte um. Die Rückseite verrät uns die Auflösung. War unser Ansatz falsch, müssen wir uns auf der Wertungskarte ein „x“ anstreichen, das am Spielende fünf Strafminuten bedeutet. Fehlt uns eigentlich noch die Voraussetzung, um das Rätsel überhaupt angehen zu können, kostet uns das ein weiteres „x“.

Diese Art der Auflösung sagt mir überhaupt nicht zu. Mir fehlt da einfach noch ein Zwischenschritt. Bei Exit: Das Spiel kommt es recht häufig vor, dass wir denken, wir hätten die Lösung auf ein Rätsel gefunden, einen Code ausprobieren und dann merken, dass wir wohl noch mal anders an die Sache herangehen müssen. Klappt es dann im zweiten Versuch, ist der Jubel umso größer. Dieses Erlebnis ermöglicht Deckscape leider nicht. Uns hat dieses System außerdem dazu verleitet, einfache Lösungen für eher simple Rätsel viel zu lange zu überdenken und somit Zeit zu verschwenden – nach dem ersten Fehler wollte niemand mehr die happigen Strafminuten riskieren.

Das ist schade, denn an und für sich hat sich unser Deckscape-Debüt durchaus kurzweilig gestaltet. Das Labor-Setting zündet zwar kein Storytelling-Feuerwerk (was andere Escape Room-Abenteuer ja auch nicht tun), ist aber ein durchaus gelungener Hintergrund für unsere Knobelei. Durch die Materialbeschränkung scheinen mir die Rätsel zwar nicht ganz so originell zu sein wie beim Kosmos-Konkurrenten: der Fokus liegt ganz klar auf dem Erkennen versteckter Zahlen und Finden von Mustern. Die meisten Rätsel waren jedoch logisch und eindeutig lösbar (m. E. mit einer Ausnahme) und passten gut in die Labor-Story. Mit vier Spielern hatten wir anfangs alle gut zu tun, später mussten wir dann immer öfter die Köpfe über ein und derselben Karte zusammenstecken. Mit mehr als vier Spielern würde ich Deckscape: Der Test nicht angehen.

Ein Pluspunkt dürfte für manche die Wiederverwertbarkeit von Deckscape sein. Hier wird im Spielverlauf weder gerissen noch geschnippelt, und auf den Karten muss nicht zwingend herumgekritzelt werden. In unserem Fall ist es bei dem Zeiteintrag auf der Wertungskarte und paar zögerlichen Bleistiftstrichen hier und da geblieben, die sich problemlos beseitigen lassen sollten. Nach dem Durchspielen kann Deckscape also prinzipiell an Freunde weitergereicht werden.

Unterm Strich hatten wir Spaß mit Deckscape: Der Test. An die wirklich großartige Exit-Reihe kommt die Kartenkonkurrenz von Abacus Spiele jedoch bei weitem nicht heran. Wer mit Exit bereits durch ist, seine Ausbruchspiele lieber wiederverwertbar mag oder einfach mal etwas Abwechslung braucht, kann sich mit Deckscape ins Versuchslabor begeben und einfach mal schauen, welche Ergebnisse er oder sie persönlich aus dem Testlauf zieht.

Wer Deckscape: Der Test bereits gespielt hat, kann hier ein paar Bemerkungen zu unserem Durchlauf lesen:

Achtung, Spoiler!

Wir haben den Test in 92 Minuten abgeschlossen – nicht zuletzt dank satter zwanzig Strafminuten! Sowohl der coolste als auch der frustrierendste Moment der Spielsession fielen für uns in das letzte Drittel des Spiels.

Richtig genervt waren wir von der Lösung zu Karte 48. Dass die CD das Hilfsmittel der Wahl ist, war ja glasklar. Sie gibt uns die Farbabfolge blau – rot – gelb – rot – grün. Die Frage war nur, wie man die Farben in der richtigen Reihenfolge drücken soll, da eine solche Kombination nebeneinander nicht existiert. Die Lösung sieht vor, dass ein roter Knopf mehrfach gedrückt werden muss. Unsere Lösung war, dass die Farbabfolge nichts über die Anzahl der Knöpfe aussagt, sondern uns nur sagt, wann wir die Farbe „ändern“ müssen. Dementsprechend hätten wir insgesamt sechs Knöpfe gedrückt – an einer Stelle nämlich zwei rote hintereinander. Diese Variante finde ich nach wie vor nicht mehr und nicht weniger logisch als die offizielle Lösung. Eine vermeidbare Uneindeutigkeit!

Wir haben uns in dem Moment schon etwas unfair behandelt gefühlt – und aus Frust dann gleich noch das nächste Rätsel verbockt, weil wir nicht mehr aufmerksam genug geschaut haben. Entschädigt wurden wir von Karte 54. Die unterschiedlichen Endeffekte, je nachdem, welche Entscheidung die Gruppe hier trifft, fand ich wirklich super. Gerne mehr davon!

TL;DR

Deckscape ist der Minimalist unter den Escape Room-Spielen. Solider Rätselspaß, der aber ohne die ganz großen Höhepunkte daherkommt.

Deckscape: Der Test, von Martino Chiacchiera und Silvano Sorrentino, ein Spiel für 1-6 Spieler ab 12 Jahren, erschienen 2017 bei Abacus Spiele. Spielzeit: ca. 60 Minuten. Preis: ca. 12€.

Typ:
Kennerspiel
Wertung:
– solide

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