Das Gegenteil von Bingewatching (Pandemic Legacy Blog, Teil 4)

Achtung! Spoilerwarnung! In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit Pandemic Legacy: Season 1 – für mich, für alle Beteiligten und für Spieler, die das Spiel selbst schon gespielt haben, und neugierig sind, wie es anderen in ihren Kampagnen so erging. Spoiler sind also unvermeidbar. Nach längerer Pause gehen wir dieses Mal den März an.

Achtung, Spoiler!

Ach, den Pandemic Legacy-Blog gibt es noch? Seit der letzten Ausgabe ist in der Spielewelt einiges passiert. Zum Beispiel ist mittlerweile Pandemic Legacy: Season 2 auf den Markt gekommen. Bis wir damit anfangen können (sofern bei meinen Mitspielerinnen überhaupt Interesse besteht) werden aber noch so einige Monate ins Land gehen. Derweil sitze ich hier und stelle mir die Frage: wie lange sollte man an einem Legacy-Spiel sitzen?

Bevor wir unsere Kampagne gestartet haben, hatte eine Freundin die Pandemic Legacy Box im Regal gesehen. Sie erzählte, dass sie mit ihrer Runde schon durch ist – ihre Gruppe hatte einfach an einem langen Wochenende durchgezockt. Auf Twitter hört man ähnliche Empfehlungen. „Das muss man bingen“, heißt es da, wann immer ein anderer Twitterer auf halbem Weg durch die Kampagne seine Legacy-Müdigkeit andeutet.

Den Sinn der Übung verstehe ich durchaus. Spielt man einen Legacy-Titel in ein paar Tagen durch, kondensiert man das Erlebnis. Die Immersion ist größer, man fiebert mit, und das ganze Event ist vorbei ehe die nächste tolle neue Sache ablenkt. Für uns war ein Pandemic Legacy-Marathon trotzdem nie eine Option – einmal im Monat spielen schien und scheint uns ein Rhythmus zu sein, der für uns funktioniert. Die Session hat dann dafür Eventcharakter mit Rahmenprogramm: es gibt noch ein paar andere Filler-Spiele dazu, Essen bestellen, zusammen was Trinken und eben mal kurz die Welt retten. Da meine Mitspielerinnen keine Vielspieler sind, die zwischendurch noch zu drei anderen Spielegruppen rennen, sind sie auch nicht so ablenkungsanfällig wie der durchschnittliche Spielenerd. Sie haben einfach zwischen den Spielesessions nicht schon wieder zweiundzwanzig andere Neuheiten gesehen, die sie lieber ausprobieren würden. Wichtig ist bei einem Spiel wie Pandemic Legacy letztlich nicht, ob eine Kampagne drei Tage oder dreizehn Monate dauert – sondern, dass der Abstand so gestaltet ist, wie die Gruppe ihn braucht, um die Spannung zu halten.

Langer Rede kurzer Sinn: letztes Wochenende haben wir festgestellt, was für uns zu lange ist. Wir hatten es seit August leider nicht geschafft, uns in Viererbesetzung zusammen zu setzen, so dass seit der letzten Partie drei Monate ins Land gegangen waren. Das machte sich natürlich bemerkbar: es galt, den März anzugehen, es gab vorab eine Menge coole Sachen auszupacken, und doch war der Auftakt krampfig, und irgendwie haben uns die neuen Elemente nicht auf Anhieb so geflasht, wie es sonst der Fall war. Stattdessen gab es erst einmal eine Menge „Wie war das noch gleich?“ Meine Frau, durchaus routinierte Spielerin und Pandemie-Kennerin hatte längst vergessen, was eigentlich noch mal ihr Charakter vom letzten Mal (die Quarantäne-Expertin) machte. Irgendwie waren wir dadurch anfangs nicht so investiert in das Spielgeschehen, wie das in den ersten Partien der Fall war. Spaß hatten wir natürlich ab Runde eins – aber diese besondere Aura des Legacy-Titels war erstmal auf normales Brettspielmaß zusammengeschrumpft.

Um wieder rein zu kommen, haben wir uns dann auch erst einmal an Altbewährtes gehalten. Neuer Charakter? Wir spielen das Team vom letzten Mal. Damit war auch klar, dass wir uns nicht auf den Bau unserer militärischen Infrastruktur konzentrieren würden – denn unsere Quarantäne-Spezialistin als einziger Militärcharakter wurde nun dringend an anderen Fronten gebraucht. Es galt, einmal mehr das gelbe COdA in Afrika in Schach zu halten! Unterstützt wurde sie dabei von Forscherin, Logistiker(in) und Sanitäter. Gleich zu Beginn war uns das Glück hold: unsere Logistiker-Spielerin Mandy zog auf Anhieb beide Subventionen („Eine ruhige Nacht“ und „Prognose“).

Die Möglichkeit, beide Karten schon für den Notfall parat zu haben, hat uns letztendlich dann auch die Haut gerettet. Denn nach dem Kartenglück zum Spielbeginn ging es erst einmal rapide bergab für uns – während meine Frau mit unserer Quarantäne-Spezialistin zwischen Kapstadt, Lagos und Khartum hin und herpendelte, um irgendwie einen fiesen Kettenausbruch der gelben Krankheit zu verhindern, liefen Forscherin und Logistikerin Gefahr, im nahen Osten in den Ruinen einer untergehenden Stadt ihr vorzeitiges Ende zu finden. Nur das Ausspielen der „Prognose“ zur rechten Zeit ermöglichte uns, gleichzeitig alle Krisenherde (Bagdad, Kairo, Khartum) in den Griff zu bekommen, ohne Gefahr zu laufen, einen unserer Charaktere über die Klinge springen zu lassen. Dann griff COdA auch noch auf Süd- und Mittelamerika über. Rot und schwarz waren bereits geheilt, die Heilung der blauen Krankheit schien greifbar nahe – danach müsste „nur“ noch eine der Seuchen ausgerottet werden. Auf der anderen Seite standen bereits sechs Ausbrüche und eine bedrohlich geringe Anzahl gelber Würfel in der Reserve zu Buche.

Pandemic Legacy März Spielsituation
Na, ob das noch was wird?

 

Als wir dann so schweißgebadet da saßen, den drohenden Untergang einerseits, den triumphalen Sieg andererseits vor Augen war es wieder da, das Legacy-Feeling. Plötzlich hatte alles wieder Gewicht, und die viel zu lange Pause war vergessen. Wir waren wieder drin. Wie es zu einem richtigen Happy Ende dazu gehört, gab es sogar noch den Sieg – mal wieder im Foto-Finish, weil Cats Sanitäter im letzten Augenblick die rote Krankheit vom Brett tilgen konnte. Zwischenstand: wir 3, Pandemie 1! Weiter geht es in drei Wochen, wenn wir ohne Subventionen den April angehen müssen. Ich freue mich drauf!

Pandemic Legacy März Ende
Geschafft!

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