Catan: Das Würfelspiel (Rezension)

Gefühlt sind sie momentan allgegenwärtig: sogenannte „Roll-and-Write“-Spiele, in denen man zunächst munter würfelt und dann Dinge auf einem Spielplan abstreicht. Im Moment ist beispielsweise Noch mal! in aller Munde. Vorläufer dieser Spiele gab es bereits seit Jahren. Leider war dabei längst nicht alles Gold, was glänzt – auch dann nicht, wenn große Namen wie Catan auf der Box standen.

Die Kniffler von Catan

Catan: Das Würfelspiel ist als schnelle Catan-Version für unterwegs konzipiert. Angelehnt an den großen Bruder Catan versuchen wir, Straßen, Siedlungen, Städte und Ritter zu bauen, die uns letztlich Punkte bringen. Wie genau das passiert, hängt von der Spielvariante ab: die aktuelleren Auflagen kommen mit einem doppelseitigen Wertungsblock, der neben der Basis-Variante noch die sogenannte Plus-Variante enthält. Wer auf Ebay oder anderswo noch eine alte Auflage ergattert, kann sich auf der offiziellen Catan-Homepage Regeln und Wertungsblatt für die Plus-Version herunterladen. Schöner Service von Kosmos!

In beiden Varianten erhält jeder Spieler einen eigenen Spielplan, auf dem er errichtete Gebäude und erzielte Punkte abstreichen kann. Dann würfeln die Spieler abwechselnd die sechs Ressourcenwürfel, wobei im Kniffel-Stil bis zu zwei mal eine beliebige Anzahl der Würfel neu geworfen werden darf. Die Würfel zeigen die fünf Ressourcen Lehm, Holz, Wolle, Getreide, Erz sowie Gold, das alleine nichts wert ist, zu zweit aber als Joker-Ressource fungiert. Mit den Ressourcen wird dann der Bau von Straßen, Rittern, Siedlungen und Städten bezahlt. Um Siedlungen und Städte bauen zu können, müssen diese zunächst an unser Straßennetz angeschlossen werden, das bei Spielbeginn erst einmal aus einer vorgedruckten Straße besteht. Unseren Rittern dagegen ist das Straßennetz egal. Sie geben uns die Möglichkeit, einmalig ein Würfelergebnis gegen eine andere Ressource auszutauschen, wobei die meisten Ritter nur den Tausch in eine bestimmte Ressource ermöglichen.

Catan Würfelspiel Basisvariante
Der Spielplan der Basisvariante.

In der Basis-Variante spielen wir über eine feste Anzahl von 15 Zügen und versuchen, in diesem Rahmen möglichst viele Punkte zu erzielen. Wie viel welches Element wert ist, sagt uns der Spielplan; Ritter und Gebäude müssen dabei in einer festen Reihenfolge – vom niedrigsten Punktwert zum höchsten – erwürfelt werden. Die Ergebnisse notieren wir jeweils in der Wertungsleiste auf unserem Spielplan. Können wir in einer Runde gar nichts bauen, müssen wir ein „X“ notieren, das uns am Spielende zwei Punkte kostet.

Die Plus-Variante nähert das Spielerlebnis stärker an Catan an. Statt einfach fünfzehn Runden lang zu spielen, liefern sich die Spieler nun ein Wettrennen zur 10-Punkte-Marke. Punkte gibt es hier nur noch für Siedlungen (1 Punkt) und Städte (2 Punkte) sowie für die längste Straße und die größte Rittermacht (je 2 Punkte). Die letzteren beiden können uns vom Gegner wieder abgeknöpft werden, so dass wir nicht mehr komplett solitär vor uns hin spielen. Erreicht ein Spieler die 10 Punkte, gewinnt er auf der Stelle das Spiel.

Catan Würfelspiel Plus
Der Spielplan der Plus-Variante (selbst ausgedruckt und laminiert).

Aneinander vorbei gewürfelt

Muss man wirklich ein zehn Jahre altes Würfelspiel bewerten und sich dann darüber beschweren, dass es irgendwie aus der Zeit gefallen wirkt? Muss man sicher nicht, aber man darf. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass Catan: Das Würfelspiel noch immer nachgedruckt wird und sich – alleine durch den großen Namen – sicherlich passabel verkauft. Leider hat Catan: Das Würfelspiel aber einfach einige massive Probleme, die modernere Spiele des Genres umgehen.

Das erste Problem: zumindest in der Basis-Variante ist Catan: Das Würfelspiel ein lupenreines Solitärspiel, das eher zufällig von mehreren Personen abwechselnd gespielt wird. Abgesehen vom Weiterreichen der Würfel nach dem Zug gibt es keinerlei Interaktion zwischen den Spielern, die mehr oder weniger munter auf dem eigenen Zettel herumkreuzen. Noch größer ist allerdings Problem Nummer zwei: Jeder Spieler würfelt nur für sich selbst. Kombiniert mit dem stark geskripteten Aufbau des Basisspielplans (ich muss die Elemente mit wenigen Ausnahmen in einer vorgegebenen Reihenfolge bauen) bedeutet das schlicht und einfach, dass der Spieler gewinnt, der mehr Würfelglück hat. Wirklich befriedigend ist das für mich persönlich nicht.

Vor allem die Basis-Variante bringt das Kunststück fertig, einerseits den Grundmechanismus von Kniffel zu nutzen, gleichzeitig aber mit komplizierteren Regeln weniger Spieltiefe zu bieten. Da es nur vier verschiedene Dinge gibt, die ich bauen kann (von denen je nach Spielsituation nur zwei oder drei verfügbar sind) habe ich eigentlich nie gewichtige Entscheidungen zu treffen und lasse mich 15 Züge lang vom vorgegebenen Spielplanaufbau und den Würfelergebnissen leiten. Langweilig! Glücklicherweise gibt es die Plus-Variante, die aus einem schlechten Spiel noch ein einigermaßen passables macht. Hier gibt mir der Spielplan immerhin ein paar Freiheiten und Möglichkeiten: vor allem kann ich nun selbst entscheiden, welche Rohstoff-Joker ich mir unbedingt sichern möchte, da ich die Ritter nun nicht mehr in einer festen Reihenfolge bauen muss. Mit der längsten Straße und größten Rittermacht kommen außerdem zwei Elemente ins Spiel, bei denen ich wenigstens mal schauen muss, was mein Gegner so treibt. Auch diese Version plätschert jedoch weitesgehend ohne Höhepunkte vor sich hin; bei uns zu Hause wird das Spiel es jedenfalls schwer haben, sich gegen interessantere Filler-Optionen durchzusetzen.

Unterm Strich kann ich Catan: Das Würfelspiel allenfalls absolut eingefleischten Catan-Fans empfehlen; und selbst dann nur in der „Plus“-Variante, die aus einer Beschäftigung mit Würfeln erst ein echtes Spiel macht.

TL;DR

Zu hoher Glücksfaktor, fast keine Interaktion zwischen den Spielern: Der kleine Würfel-Bruder des großen Catan ist leider allenfalls für Hardcore-Fans der Marke interessant, und auch das nur in der interessanteren Plus-Variante.

Catan: Das Würfelspiel von Klaus Teuber, ein Spiel für 2-4 Spieler ab 7 Jahren, erschienen 2007 bei Kosmos. Spielzeit: 15-30 Minuten. Preis: ca. 6€.

Typ:
Familienspiel
Wertung:
Note 4 – ausreichend

2 Gedanken zu „Catan: Das Würfelspiel (Rezension)“

  1. Ich war wirklich lange nicht mehr hier und da dachte ich mir, ich schaue mal wieder vorbei. Das Würfelspiel habe ich immer wieder mal im Regal gesehen, habe ihm aber nie wirklich große Aufmerksamkeit geschenkt, da ich Zweifel hatte, dass es große Freude am Spieltisch bringt. Hiermit bestätigt sich nun meine Vermutung. Ich will jetzt nicht sagen, dass Catan ein schlechtes Spiel ist, aber heutzutage haut es mich auch nicht mehr vom Hocker. Man würfelt jede Runde und hofft auf das passende Ergebnis und baut bzw. kauft eventuell irgendetwas und dann ist der nächste Spieler auch schon wieder dran. Das Handeln emfpand ich dabei noch als schönste Komponente. Aber in dem Fall würde ich das Brettspiel der Würfelvariante doch vorziehen, denn ein vor sich hin kleckern finde ich auch nicht wirklich spannend.

    Eine tolle Rezi übrigens, die wie immer sehr schön und unterhaltsam geschrieben ist. Da könnte ich mir noch eine Scheibe von abschneiden 🙂

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