Aufgetischt: Imperial Settlers und Die Schlachten von Westeros (August 2017)

Unter der Rubrik „Aufgetischt“ blogge ich darüber, was im vergangenen Monat spieletechnisch so bei mir los war. Dieses Mal: Reiche aufbauen in „Imperial Settlers“ und Reiche einreißen in „Die Schlachten von Westeros“.

Board Game Stats August 2017

Im Vergleich zum Juli gab es im August weniger Neuheiten, aber dafür eine Menge Altbewährtes. Nur vier (für mich) neue Titel standen auf dem Programm, dafür kehrten unter anderem „X-Wing“, „Pandemic Legacy“ und „Arkham Horror“ (als Solospiel) auf den Tisch zurück. Besonders gefreut habe ich mich über die Gelegenheit, mal wieder die „Android Netrunner“-Karten abzustauben, auch wenn es in drei Partien drei Niederlagen hagelte. Selig ist, wer keine Statistiken führt: BoardGameGeek sagt mir, dass mein letzter „Netrunner“-Sieg nun bereits mehr als ein Jahr her ist. Zu meiner Verteidigung kann ich zwar anführen, dass ich seitdem auch nicht viel gespielt habe. Immerhin bin ich nun aber schon bei einer respektablen Serie aus acht Niederlagen in den letzten acht Spielen angelangt. Das schreit nach baldiger Wiedergutmachung!

Imperiale Knollennasen

Angeführt wird die Liste allerdings von einem Newcomer: „Imperial Settlers“, ein Spiel, das ich eigentlich schon seit seinem Erscheinen 2014 auf dem Schirm hatte, aber dann doch irgendwie nie gespielt habe. Dabei holt das Spiel mich thematisch mit seiner knuffigen „Die Siedler 3“-Gedächtnisoptik, und mechanisch stehen Kartenspiele mit flexibel einsetzbaren Karten bei uns ohnehin hoch im Kurs. Dazu noch ausgezeichnet als Zweispielerspiel geeignet – was will man mehr!

„Imperial Settlers“ ist im Grunde ein Zivilisationsspiel in Kartenspielform, bei dem die Spieler die Kontrolle über eines von vier Völkern (Barbaren, Römer, Japaner und Ägypter) übernehmen und über fünf Spielrunden versuchen, ihr Reich möglichst siegpunkteträchtig auszubauen. Die Karten, über die das Spiel gesteuert wird, sind allesamt für zwei bis drei verschiedene Zwecke einsetzbar: sie können als Gebäude gebaut, für Ressourcen zerstört oder als Handelsvertrag abgelegt werden. Bauen wir die Karten als Gebäude, geben sie uns entweder Ressourcenproduktion, passive Fähigkeiten oder neue Aktionsmöglichkeiten. Alle Spieler teilen sich einen gemeinsamen Nachziehstapel allgemeiner Gebäude, doch jedes Volk kommt zusätzlich mit einem eigenen Stapel an Völkerkarten, die jeweils verschiedene Herangehensweisen erfordern und fördern.

Imperial Settlers - Barbaren
Das Reich meiner Barbaren steht noch ziemlich am Anfang.

 

Im Vergleich zu einem anderen unserer Zweispieler-Favoriten, dem mechanisch verwandten „Brügge“, fällt schon nach wenigen Partien die höhere strategische Tiefe auf. Während ich sowohl in „Brügge“ als auch in „Imperial Settlers“ das beste aus dem vorhandenen Kartenmaterial machen und dabei knifflige Entscheidungen treffen muss, befasse ich mich in ersterem meist nur mit der aktuellen Kartenhand, während ich in „Imperial Settlers“ einen übergreifenderen Matchplan brauche, der vor allem von der gewählten Fraktion abhängt: die Barbaren gewinnen Punkte durch das Zerstören von Gebäuden, die Ägypter wandeln Gold in Punkte um, Römer bekommen jede Menge Siegpunkte für ihre Fraktionsgebäude und Japaner sind vor allem auf Handelsabkommen fixiert. Durch bessere Kenntnis der Kartendecks gehen die Punktzahlen bereits nach wenigen Partien deutlich nach oben, aber wenn man auf BoardGameGeek mal nach High Scores schaut, scheinen wir immer noch eine Menge zu lernen zu haben. Für den Moment ist „Imperial Settlers“ jedenfalls einer unserer Favoriten und ein heißer Kandidat für den Zukauf von Erweiterungen.

Winter is coming

Die siebte Staffel von „Game of Thrones“ ging diesen Monat in ihre heiße Phase, was wäre da treffender gewesen als am Tabletop-Abend „Die Schlachten von Westeros“ auf den Tisch zu bringen? Nachdem mein Kumpel Daniel mir letzten Monat bereits „Battlelore (2nd Edition)“ nähergebracht hatte, war diesen Monat also der nächste „Commands & Colors“-Titel fällig (Daniels Sicht der Dinge gibt es hier zu lesen).

Daniel beschloss gleich mal mich nicht zu schonen und wählte für unser erstes Spiel ein umfangreicheres Szenario aus der Baratheon-Erweiterung. Das storytechnisch etwas merkwürdige Szenario sah eine Übermacht der Sturmländer vor, die gegen eine defensiv eingeigelte Stark-Streitmacht vormarschiert. Die Starks versuchen drei Kontrollpunkte zu halten und hoffen derweil auf Lannister-Verstärkungen. Die Lannisters sind jedoch opportunistisch und wollen nicht für eine bereits verlorene Sache kämpfen, so dass am Rundenende nur dann neue Truppen aus den Westerlanden anrücken, solange die Starks noch mindestens zwei Kontrollpunkte halten.

Schlachten von Westeros - Stark gegen Baratheon
Die Schlachtlinie der Starks erwartet den Ansturm der Baratheons.

Am Anfang dachte ich, dass Daniels Baratheons schnell Kleinholz aus meiner Schlachtlinie machen würden, aber tatsächlich konnte ich zwei von drei Punkten relativ lange sichern. Tywins heranstürmende Kavallerie schlug dann bereits in Runde zwei in die schwächere linke Flanke der Baratheons, und von da an wurde es ein ziemlich enges Spiel. Robert Baratheon gelang es zwar, sich durch die Reihen seiner Feinde zu hacken um Kontrollpunkt zwei von drei einzunehmen, wurde dabei aber vom Rest seiner Armee getrennt und musste sich nach etlichen Gegenangriffen geschlagen geben, was seine Truppen demoralisiert zurückließ und der unwahrscheinlichen Stark-Lannister-Allianz den Sieg brachte.

Das Spiel ist deutlich strategischer als „Battlelore (2nd Edition)“. So muss ich immer versuchen, meine eigenen Einheiten in Formation zu halten, denn nur dann sind diese „mutig“ (und können bei jedem Angriff direkt zurückschlagen. Gleichzeitig versuche ich durch geschicktes flankieren die Formation des Gegners zu brechen, um diesem Gegenschläge zu verwehren. Das zweite strategische Element sind die Kommandeure (Lords); normalerweise aktiviere ich Einheiten immer in einem Zwei-Felder-Radius um einen Kommandeur herum, so dass ich meine Lords möglichst sinnvoll über meine gesamte Schlachtlinie verteilen will, ohne sie so exponiert aufzustellen, dass ich ihre Gefangennahme riskiere (wobei sich kampfstarke Lords wie Robert Baratheon oder Smalljon Umber recht gut selbst behaupten können).

„Die Schlachten von Westeros“ hat jedoch auch ein paar kleinere Macken: Die Modelle leiden sehr unter dem „Droopy Staff“-Syndrom und sind nicht besonders detailliert, und vor allem die Kommandeure sind auf den ersten Blick nur schwer voneinander zu unterscheiden. Der Aufbau mit den verschiedenfarbigen Flaggen für die unterschiedlichen Qualitätsstufen der Truppen ist zudem recht mühsam. Und obwohl es eine ganze Reihe von Erweiterungen für das Spiel gibt, sind leider nur die Häuser Stark, Lannister und Baratheon als spielbare Fraktionen vertreten – zumindest eine Targaryen-Fraktion wäre noch wünschenswert gewesen. Ingesamt gefällt mir das Spiel dennoch einen kleinen Tick besser als „Battlelore“: einerseits durch die größere Spieltiefe, andererseits aber auch einfach deshalb, weil ich mit Westeros deutlich mehr anfangen kann als mit Terrinoth.

Ein Gedanke zu „Aufgetischt: Imperial Settlers und Die Schlachten von Westeros (August 2017)“

  1. Eine gute Zusammenfassung für „Die Schlachten von Westeros“. Ich finde es auch bedauerlich, dass es nicht noch mehr von den große Häusern mit ein paar passenden Schlachten gibt. Hätte es sicher gegeben, wenn es sich für FFG gelohnt hätte, aber das Interesse war auch nicht sehr groß. Jetzt wird BattleLore 2 das gleiche Schicksal ereilen und frühzeitig eingeschläfert werden, obwohl ich mich schon so sehr auf die Elfen gefreut habe. Das neue Runewars wird dafür wohl dessen Platz einnehmen.

    Der Aufbau war schon immer sehr fummelig und wenn dann das eigentliche Spiel nicht viel länger dauert, kann das schon nerven. Enttäuschender finde ich den Scharmützel-Modus, wo man sein mehr oder weniger eigenes Schlachtfeld zusammenstellt, da es von meinem Empfinden her überhaupt nicht ausgeglichen ist. Da finde ich das Punktesystem von BL2 schon um einiges besser, auch wenn die Schlachtfeldhälfte vorgegeben ist.

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