Aufgetischt: Spiel des Jahres, BerlinCon und mehr (Juli 2017)

Unter der Rubrik „Aufgetischt“ blogge ich darüber, was im vergangenen Monat spieletechnisch so bei mir los war. Dieses Mal: Kampagnen wurden unterbrochen oder beendet, „Kingdomino“ ist Spiel des Jahres 2017, ich war auf der BerlinCon und am Tabletopabend ging es nach Terrinoth.

Ärzte, Raumschiffe und Sommerpausen

Auffällig abwesend auf der Spieleliste ist dieses Mal „Pandemic Legacy“. Vor dem Beginn der Kampagne haben wir uns vorgenommen, so in etwa einmal im Monat zu spielen (man ist ja bei aller Neugier Genießer und hat keine Eile). Nachdem wir letzten Monat gleich zwei Abende untergebracht haben, hat sich im Juli leider kein Termin zum Weiterspielen gefunden. Klar, dass ich mittlerweile schon wieder mit den Hufen scharre, zumal sich der „Pandemic Legacy“-Abend auch schön mit weiteren „Exit“-Abenteuern kombinieren ließe…

Eine andere Kampagne hat derweil ihr (vorläufiges) Ende gefunden. Der Abschluss der aktuellen „Numenera“-Storyline in meiner Pen&Paper-Rollenspielrunde führte die Helden in eine verlassene Mine, in ein dort begrabenes Raumschiff und zu guter Letzt sogar in ein fernes Sonnensystem zu den Überresten einer längst untergegangenen Zivilisation. Die erzählerischen Möglichkeiten dieses schrägen aber zugleich angenehm zugänglichen Spiels sind enorm: von der Fantasy- zur Endzeit- oder Science-Fiction-Welt ist eigentlich alles machbar, denn im Grunde ist die Siebte Welt, das Setting von „Numenera“, all das gleichzeitig. Gerade unerfahrene Spielleiter (wie ich einer bin) können sich richtig austoben, ohne ständig über Detailregeln zu stolpern. Mechanisch gefallen mir vor allem die Cypher, eine Art magische Einweggegenstände. Als Spielleiter geben sie mir die Möglichkeit, die Spieler regelmäßig mit verdammt coolem Zeug zu belohnen, ohne dass ich für den Rest der Kampagne darauf vorbereitet sein muss, dass dieses Zeug ständig benutzt werden kann. Tolles Spielsystem, hoffentlich kommen wir im Herbst darauf zurück.

Im Zeichen des roten Pöppels

Stets im Juli gibt es da ja so einen klitzekleinen Brettspielpreis, mit dem das beste Familienspiel des aktuellen Spielejahrgangs prämiert wird. Die Rede ist natürlich vom „Spiel des Jahres“. Dieses mal war ich mit dem Anspielen der Nominierten ausgesprochen spät dran, und der Kennerspieljahrgang ist peinlicherweise fast komplett an mir vorbeigegangen – lediglich eins der „Exit“-Spiele hat es bisher bei uns auf den Tisch geschafft. Wenigstens die Kandidaten für den Hauptpreis habe ich dann aber doch gerade noch rechtzeitig antesten können.

Als erstes haben wir das kooperative Echtzeitspiel „Magic Maze“ abgefrühstückt, das als Einziger der Nominierten den Weg in die heimische Sammlung gefunden hat. Gleich die ersten beiden Runden haben die werte Ehefrau, die brettspieltechnisch mittlerweile recht abgehärtet ist, entkräftet auf dem Sofa zusammensinken lassen, denn so ein Kaufhausraub geht nicht ohne Stress über die Bühne. Nun ja, Geschmäcker sind verschieden, auch im gleichen Haushalt – mir gefällt es jedenfalls. „Wettlauf nach El Dorado“ und den späteren Sieger „Kingdomino“ konnte ich dank des Besuchs der BerlinCon zumindest noch ausprobieren. Meine Gedanken zu allen drei Kandidaten habe ich hier etwas ausführlicher niedergeschrieben.

BerlinCon

Apropos BerlinCon, die von den YouTubern Hunter und Cron organisierte jährliche Brettspielconvention fand am 15. und 16. Juli zum dritten Mal statt. Offiziell 3000 Besucher waren über die beiden Tage verteilt da, und ich war erstmalig einer von ihnen: am Sonntag habe ich mich früh am Morgen in den ICE geschwungen, um dann etwa zweieinhalb Stunden später in einem bereits mit allerlei spielfreudigem Volk gefüllten Industriegebäude in Kreuzberg.

Auf drei Etagen verteilt konnte gespielt, gefachsimpelt und eingekauft werden.  Auch als Alleinreisender fand man immer irgendwo Anschluss, solange man nicht zu sehr darauf fixiert war unbedingt einen der beliebten aber zeitintensiveren Strategiekracher spielen zu wollen.

Special thanks to Alessio for teaming up with me on Sunday morning, I hope you did well in the „Memoarrr!“ tournament later that day!

Vielleicht der einzige Wermutstropfen war das Essensangebot im Innenhof. Hier wurde zwar gute Qualität zu wirklich fairen Preisen angeboten, aber wer was deftiges zu Beißen haben wollte, musste am einzigen Foodtruck doch erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen (man beachte die Besucherzahlen!). Ansonsten eine rundum gelungene Veranstaltung, ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Jahr!

Natürlich musste von so einer Veranstaltung auch ein Andenken mit nach Hause gebracht werden – in diesem Fall „Century: Die Gewürzstraße“. Ob wir es hier wirklich mit dem vielgepriesenen „Splendor“-Killer zu tun haben muss sich noch zeigen. „Century“ teilt mit dem Vorbild aber auf jeden Fall eine gewisse regeltechnische Eleganz ohne viel Schnickschnack und eine haptisch ansprechende Austattung. Schon Wahnsinn, wie sehr ich mich daran erfreuen kann, nach einer großen Tauschaktion ungehemmt in eine Schüssel bunter Holzwürfelchen zu greifen.

Century: Die Gewürzstraße
Gewürze! So viele Gewürze!

Kriegskunst in Terrinoth

Aus dem festen Nerdmontag mit meinem Kumpel Daniel ist diesen Monat ein terminlich eher flexibler wöchentlicher Tabletopabend geworden. Eigentlich ist unser Go-To-Spiel ja „Star Wars: X-Wing“, aber im Juli ging es für ein paar zünftige Schlachten nach Terrinoth mit „BattleLore (2nd Edition)“. Für mich gab es dabei meistens nicht so viel zu holen (abgesehen von meinen ersten Erfahrungen mit dem „Commands & Colors“-System und mächtig auf die Ömme).

Das Spielsystem gefällt mir jedenfalls, auch wenn es immer mal Phasen gibt, in denen man einfach nicht die passende Kommandokarte zur Hand hat, um das Schlachtenglück an der richtigen Stelle herumzureißen. „BattleLore“ spielt sich wirklich zackig, da beide Seiten von Beginn an genötigt sind, aggressiv vorzugehen und eigene Siegbedingungen zu sichern, wobei dann auch recht schnell große Teile der Armee hopps gehen – auch dicke Chaosobszönitäten und steinerne Runengolems gehen schnell in die Knie, wenn man nur entschlossen genug draufprügelt. Daniels Berichte zu unseren Gefechten gibt es hier, hier und hier zu lesen. Von mir aus darf es gerne eine Rückkehr nach Terrinoth geben, auch wenn jetzt erstmal wieder ein paar Flugstunden mit X-Wing, TIE Fighter und Co angesagt sind.

Battlelore (Second Edition)
Meine Menschlein bereiten sich (vergeblich) auf den Ansturm von Daniels Untoten vor.

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