Kingdomino ist Spiel des Jahres 2017!

Spiel des Jahres 2017 - Alle nominierten Spiele

Juli ist „Spiel des Jahres“-Zeit! Heute wurde der nach wie vor wichtigste Spielepreis der Welt zum 39. Mal vergeben. Die Auszeichnung ging dieses Jahr an „Kingdomino“ von Bruno Cathala. Die „Exit“-Reihe von Markus und Inka Brand ist „Kennerspiel des Jahres“, das Prädikat als „Kinderspiel des Jahres ging bereits vor einigen Wochen an „Ice Cool“ von Brian Gomez.

Das Verhältnis der Vielspieler zum „Spiel des Jahres“ erscheint ja manchmal gespalten. Einerseits stürzen sich auch die echten Spielenerds immer wieder gerne auf den aktuellen Jahrgang, diskutieren im Vorfeld über mögliche Nominierungen und folgen gebannt der Preisverleihung. Andererseits tendiert der geneigte Geek auch Jahr für Jahr zum Mosern, weil dann doch wieder „die Falschen“ nominiert und ausgezeichnet werden. Das geht dann manchmal so weit, dass der Jury wahlweise Parteilichkeit oder gar Bestechlichkeit vorgeworfen wird; oder aber es wird dem ganzen Rummel ganz einfach die Bedeutung für die Brettspielszene abgesprochen.

Fakt ist aber: relevant ist der Preis nach wie vor. Vielleicht nicht in erster Linie für uns Geeks, die in ihrer Freizeit nicht nur oft und gerne spielen, sondern auch noch so ziemlich alle brettspielbezogenen Medien auf dem Markt konsumieren und in einem halben Dutzend Foren sowie auf Facebook und Twitter aktiv über ihr Hobby diskutieren. Aber mit Sicherheit für die Masse an Nicht-ganz-so-oft-Spielern ebenso wie für die Verlage. Die „Spiel des Jahres“-Nominierten und erst Recht die Preisträger erhalten eine Sichtbarkeit, die nur wenigen Titeln in einer doch recht überschaubaren Branche zuteil werden. Der weithin bekannte rote Pöppel auf der Box spült die glücklich Auserwählten in Buchläden, Kaufhäuser und sogar in die Spielwarenabteilungen gut sortierter Drogerien und Supermärkte. Manch fleißiger Spieler hat vielleicht von BoardGameGeek noch nie im Leben etwas gehört, weiß aber das „Spiel des Jahres“ als Qualitätssiegel zu schätzen und kauft daher Jahr für Jahr blind den neuesten Preisträger, um ihn dann mit der Familie auf den Tisch zu bringen.

Langer Rede kurzer Sinn: da die „Spiel des Jahres“-Verleihung weiterhin zu Recht zu den Großereignissen der Brettspielszene gehört, fühlt sich hiermit noch ein Geek ungefragt berufen, seinen Senf zum aktuellen Jahrgang abzugeben. Wie so häufig war ich ziemlich spät dran und habe erst auf den allerletzten Drücker alle drei Nominierten ausprobiert (bei zwei Titeln hat es bis zur gestrigen BerlinCon gedauert). Das Urteil über den aktuellen Kennerspiel-Jahrgang überlasse ich lieber anderen, da ich nicht das komplette Trio gespielt habe.

Nominiert zum Spiel des Jahres waren diesmal:

  • Magic Maze von Kasper Lapp, erschienen bei Pegasus
  • Wettlauf nach El Dorado von Reiner Knizia, erschienen bei Ravensburger
  • Kingdomino von Bruno Cathala, erschienen bei Pegasus

Magic Maze

In „Magic Maze“ stehen Elf, Zwerg, Barbar und Magier plötzlich mit leeren Taschen und ohne Ausrüstung da. Hilfsbereit, wie wir nunmal sind, unterstützen wir Spieler die Charaktere bei ihrem heroischen Plan: das benötigte Zeug im nächsten Shopping Center klauen und dann flugs abhauen! Im Spiel steuern wir unsere Heldengruppe kooperativ, das heißt, wir spielen gemeinsam gegen das Spiel. In diesem Fall bedeutet das vor allem: gegen die Uhr, denn „Magic Maze“ wird in Echtzeit gespielt.  Traditionelle „ich-bin-du-bist“-Zugstrukturen? Wer braucht die schon! Stattdessen darf jeder Spieler jederzeit jede Figur bewegen – allerdings darf er dabei nur die Aktionen ausführen, die auf seiner Aktionskarte stehen (etwa nach Osten gehen und Rolltreppen benutzen).

Magic Maze
Barbar und Dieb waren mit ihrer Beute mal wieder nicht schnell genug.

Die Sache hat allerdings noch einen kleinen Haken. Außer an bestimmten Punkten dürfen die Spieler nicht miteinander reden. Das verhindert, dass ein Spieler allen anderen sagt, wo es langgehen soll – und macht Situationen, die normalerweise leicht zu lösen wären, recht knifflig; etwa wenn ich Depp mal wieder nicht sehe, dass eine Figur seit einer Ewigkeit an der Rolltreppe wartet. Hinweise dürfen wir den Mitspielern nur durch subtiles anstarren oder durch die Nutzung eines großen roten „Tu was!“-Spielsteins geben.

„Magic Maze“ war mein persönlicher Liebling im Lineup und ist bislang das einzige Spiel des Jahrgangs, das es in meine Sammlung geschafft hat, und für mich ist es definitiv auch der originellste Titel. Das Spiel eignet sich perfekt zum „Wachrütteln“ der Mitspieler am Anfang oder Ende eines Spieleabends. Dass nach und nach in weiteren Partien neue Plättchen mit neuen Regeln eingeführt werden, sorgt für einen hohen Wiederspielwert – ich bin bislang gerade mal bis Szenario vier von siebzehn gekommen.

Das es letztendlich nicht den Sieg davongetragen hat, ist dennoch verständlich, denn so sehr mir „Magic Maze“ gefällt: in manchen Runden wird es gnadenlos floppen. Das Spielen in Echtzeit mit laufendem Timer manifestiert sich bei dem einen im Adrenalinrausch, beim anderen dann doch eher in Stress und Überforderung. Das Klopfen mit dem roten „Tu was!“-Pöppel sorgt bei Letzterem dann für die Totalblockade. Auch das Kommunikationsembargo, das spielerisch absolut seinen Sinn erfüllt, gefällt bei weitem nicht jedem. Fügt man dann noch ein Thema hinzu, dass eine ganze Ecke nerdiger daherkommt als der typische Preisträger, erhält man den Eindruck, dass die Nominierung allein schon als Achtungserfolg zu werten ist.

„Magic Maze“ von Kasper Lapp, ein Spiel für 1-8 Spieler ab 8 Jahren, erschienen 2017 bei Pegasus. Spielzeit: 5-15 Minuten, Preis: ca. 20€.

Wettlauf nach El Dorado

Deckbau ist eine tolle Mechanik, die in Form von „Dominion“ bereits 2009 mit dem „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet worden ist. Nun ist „Dominion“ sicher ein moderner Klassiker, der auch heute noch , gemessen an der Komplexität ist das Spiel unter den Preisträgern aber doch eher ein Ausrutscher nach oben. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht mal so leicht ist wie man denken sollte, das Spiel Gelegenheitsspielern zu erklären, sofern sie wirklich Null Vorerfahrungen mit Deckbaukonzepten mitbringen.

Mit „Wettlauf nach El Dorado“ hat Spieldesignerveteran Reiner Knizia ein Spiel entwickelt, dass die Deckbaumechanik auf ihre einfachsten Bestandteile reduziert. Was übrig bleibt, wird zur Steuerung eines Rennspiels verwendet, in dem die Spieler ihre Expedition als erste ins legendäre El Dorado führen wollen. Karten können zur Bewegung auf die drei verschiedenen Feldertypen verwendet werden. Die Funktion der besseren Karten, die wir für unsere Spielerdecks erwerben können, sind offensichtlich: mehr Bewegung, mehr Kaufkraft, mehr Karten ziehen. Komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen Fähigkeiten wurden vermieden, die Einstiegshürde so bewusst niedrig gehalten.

Der Rennspielanteil bringt ein paar nette taktische Möglichkeiten ins Spiel, die bei einem reinen Deckbuilder so nicht gegeben sind. Während ich in „Dominion“ nur schauen kann, dass ich mit dem gleichen Kartenpool effektiver arbeite als meine Gegner, kann ich hier versuchen, ihnen den Weg abzuschneiden, denn wir dürfen gegnerische Figuren nie überspringen, sondern müssen brav um sie herumrennen. Darüber hinaus sorgt aber auch die Kartenauslage für Interaktion, denn immer, wenn dort ein Platz frei wird, habe ich als Spieler die Wahl, von einem zuvor nicht verfügbaren Kartenstapel von oberhalb der Auslage zu kaufen. Dieser wird dann anschließend auch für die anderen Spieler verfügbar.

Wettlauf nach El Dorado
Mein gelber Forscher sieht sich das Teilnehmerfeld von hinten an. Das lässt mehr Raum für Aufholjagden.

„Wettlauf nach El Dorado“ ist ein Spiel, bei dem man sich fragt, warum eigentlich all die Jahre zuvor nie jemand auf die gleiche Idee gekommen ist. Der modulare Spielaufbau mit kürzeren oder längeren Strecken sorgt für Abwechslung und motiviert, doch häufiger mal wieder nach El Dorado zurückzukehren. Ein bisschen mehr Kartenvielfalt würde dem Spiel jedoch auf Dauer gut tun – vielleicht schafft ja bald eine Erweiterung Abhilfe.

„Wettlauf nach El Dorado“ von Reiner Knizia, ein Spiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, erschienen bei 2017 bei Ravensburger. Spielzeit: ca. 30-45 Minuten, Preis: ca. 35€.

Kingdomino

In „Kingdomino“ sind wir Herrscher über ein Reich aus… nun, aus was überhaupt? Am Anfang regieren wir eigentlich nur unsere kleine Pappburg, denn den Rest unseres maximal fünf mal fünf Felder großen Reiches müssen wir uns noch aus Dominosteinen bauen, die verschiedene Geländearten und gegebenenfalls Kronen zeigt.

Kingdomino
Mein Reich am Spielende. Dass es besser geht, hat mir eine schätzungsweise achtjährige Mitspielerin auf der BerlinCon gezeigt.

Jede Runde werden zufällig Domino-Plättchen entsprechend der Spielerzahl aus dem Beutel gezogen. Auf der Rückseite sind diese mit Nummern versehen, die die ungefähre Wertigkeit des Plättchens anzeigen: höhere Teile sind für gewöhnlich mehr wert, aber wer sich in der Vorrunde mit seiner Figur auf dem Plättchen mit der niedrigsten Zahl niedergelassen hat, darf in der folgenden Runde zuerst ein Plättchen wählen.

Anlegen können wir die Plättchen zunächst beliebig an unserer Burg. Wollen wir später an ein bereits gelegtes Plättchen anbauen, muss mindestens einer der beiden Teile an passendes Gelände angelegt werden. Sinn der Übung ist es, möglichst zusammenhängende Gebiete des gleichen Geländes zu schaffen, in denen sich zudem mindestens ein Kronensymbol befinden sollte, denn am Spielende bestimmt sich der Wert eines Gebiets durch seine Größe multipliziert mit der Anzahl der enthaltenen Kronen.

Mich persönlich hat „Kingdomino“ in dieser Reihe am wenigsten angesprochen. Es ist mit Abstand das simpelste der drei nominierten Spiele und vermutlich auch dasjenige, das sich bei intensivem Spielen am schnellsten abnutzt. Aber: wie eingangs festgestellt ist der Vielspieler nicht unbedingt am Besten darin, Spiele auszuwählen, die am Weihnachtsabend Oma und Knirps gemeinsam an einen Tisch bringen. Auf der BerlinCon habe ich „Kingdomino“ jedenfalls mit einer Vater-Tochter-Kombi zusammen kennengelernt, und die junge Dame im Grundschulalter war nicht nur sofort konkurrenzfähig, sondern hat auch gleich im Anschluss die nächste Runde eingefordert. Ich habe dann gleich mal Platz für die nächste Elternteil-Kind-Kombi gemacht, die das bunte Treiben bereits neugierig beobachtet hatte.

Mit etwas Abstand muss man zugeben: „Kingdomino“ passt wunderbar in die Reihe der Preisträger. Autor Bruno Cathala hat auf ein bekanntes Konzept (Domino) ein Familienspiel aufgebaut, in das sich jedermann schnell einfinden kann – auch in Umgebungen, in denen Brettspiele nur ein paar Mal Jahr zur Urlaubszeit im Ferienhaus gespielt werden. Und wir als Vielspieler dürfen ja immer hoffen, dass irgendjemand am Tisch dann doch Lust auf mehr bekommt.

„Kingdomino“ von Bruno Cathala, ein Spiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, erschienen 2016 bei Pegasus. Spielzeit: ca. 15-20 Minuten, Preis: ca. 20€.

2 Gedanken zu „Kingdomino ist Spiel des Jahres 2017!“

  1. Das Wahl des Spiel des Jahres darf man nicht aus der Sicht von (uns) Vielspielern sehen. Auch wenn die Jury auch das in den letzten Jahren etwas relativiert hat (siehe Codenames), ist es doch in erste Linie ein Familienspiele Preis. Ergo, es darf nicht allzu komplex sein und auch jüngere und unerfahrene Mitspieler sollten auf ihre Kosten kommen.
    Kingdomino ist so ein typisches Spiel, deswegen hat es wohl auch gewonnen. Mir persönlich fehlt da allerdings die Innovation, das Besondere.. der Pepp!
    Mein Wunschkandiat wäre Magic Maze gewesen. Auch dieses ist absolut familientauglich, hat aber – im Gegensatz zu Kingdomino – ein einzigartige Spielgefühl. Schade, das diese besondere kooperative Spiel nicht belohnt wurde.
    Verspielte Grüssle,
    Simone

    1. Was ich Kingdomino lassen würde, ist sein sehr „sauberes“, im Wesentlichen auf eine einzelne Mechanik reduziertes Design. Das Spiel kann ich echt jedem in Nullkommanichts erklären. Übermäßig innovativ fühlt es sich aber wirklich nicht an. Persönlich hätte ich den Preis wohl auch an Magic Maze vergeben 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.