La Isla (Rezension)

Hergehört, ihr Biologen! Auf einer einsamen Insel wurden längst ausgestorben geglaubte Tierarten wiederentdeckt! Es ist klar, was nun zu tun ist: wir müssen verschiedenfarbige Würfel sammeln, damit unsere Forscher die Tiere einkreisen können bevor es die Konkurrenz tut. Wenn einer unserer Leute dabei auf einem gelben Feld mit Lasso stehenbleibt – umso besser!

Stefan Feld ist nicht gerade dafür bekannt, dass seine Spiele thematisch besonders viel Sinn ergeben. Seine eher abstrakten Punktesalate enthalten aber immer einen schönen Mechanismen-Mix, der eigentlich alles enthält, was der Kennerspielfreund so an Vitaminen benötigt. Das gilt auch für „La Isla“, ein taktisches Eurogame für zwei bis vier Spieler.

Punktesalat á la Tropicana

In „La Isla“ sind wir Forscher, die die Tierwelt einer tropischen Insel erkunden. Unser Ziel ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln – und Punkte gibt es, typisch für Stefan Feld, eigentlich für so ziemlich alles, was wir im Laufe des Spiels tun.

Gespielt wird auf einem Spielbrett, das vor jeder Partie aus einem Mittelteil und zehn L-förmigen, zufällig angeordneten Außenteilen zusammengesetzt wird. Auf diesem werden dann die Tierplättchen verteilt, die es im Laufe des Spiels einzusammeln gilt. Die Wertungstafel wird ausgelegt, jeder Spieler bekommt ein Spielertableau, die Forscher seiner Farbe, einige Startressourcen und ein zufällig zugeteiltes großes Tierplättchen, dann wird noch ein Startspieler ausgewählt, und los geht’s!

La Isla Spielsituation
Eine relativ frühe Spielsituation in einer Zweispielerpartie „La Isla“ .

Jede Spielrunde ist in zwei Phasen gegliedert. In der Kartenphase zieht jeder Spieler drei Karten. Diese ordnen wir zunächst verdeckt einem der Plätze unter unserem Spielertableau zu. Sind alle Spieler damit durch, beginnt die Aktionsphase, in der alle Spieler beginnend mit dem Startspieler zunächst die Aktion A durchführen, bevor es entsprechend mit den als B, C und D gekennzeichneten Aktionen weitergeht.

La Isla Karten
Die Karten in „La Isla“ haben je nachdem wo wir sie ausspielen einen unterschiedlichen Verwendungszweck.

Mit Aktion A spielen wir die ausgewählte Karte für ihre Sonderfunktion: das heißt, wir stecken sie in eines der Fächer oberhalb unseres Spielertableaus, wo sie uns fortan eine Spezialfähigkeit liefert. Die meisten dieser Fähigkeiten bringen uns Zusatzpunkte oder Ressourcen, immer wenn wir eine bestimmte Bedingung erfüllen (ein bestimmtes Tier einsammeln, einen unserer Forscher auf ein Feld mit einem bestimmten Symbol stellen, etc.). Haben wir bereits alle Fächer in unserem Tableau gefüllt, müssen wir eine der alten Karten abwerfen und sie durch die frisch gewählte ersetzen. So hält auch die schönste Kartenkombination nie lange, da wir immer wieder Platz für Neues schaffen müssen.

In Aktion B schauen wir links unten auf die Karte: wir nehmen uns den abgebildeten Ressourcenwürfel und werfen anschließend die Karte ab. Die Ressourcen brauchen wir für Aktion C (die „Hauptaktion“ des Spiels): wir können zwei Ressourcen einer Farbe abwerfen um einen Forscher auf ein Feld der entsprechenden Farbe zu stellen. Umzingeln wir dabei ein Tierplättchen mit eigenen Forscherfiguren, erhalten wir dieses – und außerdem Punkte entsprechend der Anzahl der Forscher, die zum Einkreisen des Tieres notwendig waren.

Apropos Figuren: bei den Plastikfigürchen auf dem Spielbrett kommt unweigerlich der Gedanke an knallharte „Dudes-on-a-Map“-Spiele im Stil von Risiko auf, bei denen recht handfest um die Kontrolle von Ländereien gestritten wird. Der Schein trügt jedoch, denn die Forscherseelen in „La Isla“ sind doch recht zahme Zeitgenossen. Gerade in Zweispielerspielen kommt man sich beim fröhlichen Tieresammeln recht selten in die Quere; bei vier Spielern passiert es etwas öfter, das die Konkurrenz die bereits anvisierte Goldkröte einsackt. Man schaut aber doch in erster Linie auf sich selbst.

Zu guter Letzt folgt unter dem Buchstaben D die Wertungsaktion. Hier wird der Marker der ausgewählten Tierart auf der Wertungsleiste um ein Feld nach oben befördert (die Position des Markers auf der Leiste bestimmt den Wert der entsprechenden Tierart am Spielende). Anschließend erhält der wertende Spieler einen Punkt für jedes passende Tierplättchen, das er bereits gesammelt hat.

La Isla Wertungstafel
Die Wertungstafel

Erreichen die fünf Tierarten einen bestimmten Gesamtwert (je nach Spielerzahl 7, 9 oder 11 Punkte), endet das Spiel am Ende der Runde. Am Spielende werden Punkte für die gesammelten Tierplättchen, für übriggebliebene Ressourcen sowie für Sets aus fünf unterschiedlichen Tieren vergeben. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel!

Hinten wird der Dodo fett

Meine Frau und ich spielen jede Menge Eurogames auf Kennerspielniveau, und die Spiele von Stefan Feld sind sowieso genau unser Ding. Von daher überrascht es wohl kaum, dass mein Urteil über „La Isla“ positiv ausfällt. Vorher gibt es allerdings noch ein bisschen was zu meckern, und zwar über die Ausstattung des Spiels. So richtig wertig sieht das Material leider nicht aus – die Wertungstafel besteht aus sehr dünner Pappe, und statt der billig wirkenden Plastikforscher hätte ich mir Holzfiguren gewünscht. Auch beim Grafikdesign gibt es Luft nach oben. Das Spiel wirkt zwar knallig bunt, aber bei der Farbauswahl für die Ressourcen gibt es zu viel Einheitsbrei. Bei schlechter Beleuchtung lassen sich gelb und beige auf den Karten nur schwer unterscheiden (auf dem Spielbrett und bei den Ressourcenwürfeln selbst klappt das etwas besser). Ansonsten geht die Ausstattung in Ordnung, aber Schönheitspreise wird „La Isla“ nicht gewinnen.

Mechanisch wird das Spiel vor allem von den mehrfach einsetzbaren Karten getragen, die jeweils als Spezialfähigkeit, für Ressourcen oder zum Werten gespielt werden können. Diese Mechanik hat mir schon in „Brügge“ super gefallen, da ich als Spieler immer wieder in der Zwickmühle stecke, welche Karte ich denn nun für welchen Vorteil ausspielen möchte. In „La Isla“ funktioniert das manchmal einen Tick schlechter als in „Brügge“. Da ich dort anhand der Farben der Kartenrücken zumindest wählen konnte, von welchem Stapel ich wann ziehe, hatte ich in „Brügge“ noch ein Mindestmaß an Kontrolle über meine Kartenhand. In „La Isla“ bin ich komplett dem ausgeliefert, was mir der Nachziehstapel so geben mag, so dass es schon mal Züge gibt, in denen mich eigentlich keine meiner Karten so richtig umhaut. Auf der anderen Seite ist die Interaktion zwischen den Karten sehr viel einfacher als im Vorgänger, was auch daran liegt, dass ich maximal vier verschiedene Sonderfähigkeiten ansammeln kann (und auch immer wieder gezwungen bin, meine „Engine“ wieder auseinander zu pflücken). Und da das sonst Feld-typische Risikoelement in Form von Katastrophenmarkern, Ratten oder Oktopoden fehlt ist eine suboptimale Kartenhand ohnehin nicht das Ende der Welt.

Alles in allem fühlt sich das Spiel für Stefan-Feld-Verhältnisse sehr schlank an. Das Einsammeln der Tiere ist der klare und einzige Fokus des Spiels, die Frage ist nur, wie ich auf dem Weg dahin mit Hilfe der Karten, die mir nun einmal gegeben sind, die meisten Punkte heraushole. Irgendwie aus dem Hauptspiel herausfallende Nebenschauplätze, die gesonderter Erklärung bedürfen, fehlen hier völlig, und das gibt „La Isla“ einen sehr gefälligen Spielfluss. Da auch die Bedingungen für das Spielende recht schnell erreicht sind, fühlt sich „La Isla“ gerade zu zweit wie der schnelle Feld für zwischendurch an. Ganz auf Familienspielniveau sehe ich das Spiel allerdings nicht. Dafür gibt es doch noch zu viel zu verdauen, alleine durch die bloße Anzahl an Sonderfähigkeiten.

„La Isla“ ist wie ich finde sehr gelungen und neben dem im gleichen Jahr erschienen „AquaSphere“ zu Unrecht etwas untergegangen. Kennerspielfreunde bekommen ein mechanisch stimmiges Spiel, das sich auch mal eben flott nach Feierabend spielen lässt. Man sollte nur nicht erwarten, dass man sich dabei wie ein Biologe auf Forschungsexpedition vorkommt.

Tipp: Wer das Spiel einfach mal ausprobieren möchte, kann dies online auf der Spieleplattform yucata.de tun.

„La Isla“ von Stefan Feld, ein Spiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, erschienen 2014 bei Alea/Ravensburger. Spielzeit: 45-60 Minuten. Preis: ca. 20€.

Komplexität Kennerspiel
Wertung – reizvoll

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