Die Endlichkeit der Dinge (Pandemic Legacy Blog, Teil 1)

Achtung! Spoilerwarnung! In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit „Pandemic Legacy: Season 1“ – für mich, für alle Beteiligten und für Spieler, die das Spiel selbst schon gespielt haben, und neugierig sind, wie es anderen in ihren Kampagnen so erging. Spoiler sind also unvermeidbar. Los geht’s mit dem Januar. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

Achtung, Spoiler!

Nun geht es also los: seit Weihnachten wartet „Pandemic Legacy: Season 1“ geduldig im Spieleregal. Und ebensolange nerve ich, weit weniger geduldig, meine Umgebung mit dem Versuch, doch endlich mit der Spielerunde zu starten. Als Vorbereitung hatten wir bereits eine Partie gewöhnliches Pandemie gespielt, damit alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen. Jetzt endlich wartet unser vier Personen starkes Ärzte-Team, gut gefüllt mit indischem Essen, gespannt auf den Auftakt unseres zwölf Spielmonate langen Abenteuers.

Ich bin definitiv der Spielenerd hier am Tisch. Meine Frau, Ann-Katrin, hat die zweitmeiste Spielerfahrung. Sie hat ja keine Wahl, schließlich wohnt sie mit mir zusammen. Cat ist begeisterte Immer-mal-wieder-Spielerin und probiert gerne Neues aus. Mandy spielt auch gerne, aber am liebsten soziale, kreative Spiele wie Dixit oder Codenames.

Januar (1. Versuch)

In das Legacy-Konzept müssen wir uns alle noch einfinden. Mandy findet, dass der Logistiker recht androgyn aussieht und eigentlich eine Diana sein könnte. So ein bisschen Tilda Swinton mäßig. Sie zögert noch mit dem Kuli. „Ich weiß nicht, ist ja euer Spiel.“ Alle nicken zustimmend, und wir haben eine Logistikerin. Meine Frau wählt die Wissenschaftlerin und freut sich über türkis als Spielerfarbe. Cat nimmt den Sanitäter, der ihr für den Katastrophenfall am Tauglichsten aussieht. Ich taufe die Forscherin Lizzy und imaginiere mir eine Person, die durch mehrjähriges Herumpromovieren irgendwie nicht so richtig auf die Realität des Arbeitsmarktes vorbereitet ist. Keine Ahnung wie ich auf sowas komme.

Der erste richtige Moment zum Innehalten kommt bereits früh im ersten Januar-Spiel. Bitte eine Karte zerreißen. Alle schauen ratlos drein, meine Frau scheint starr vor Angst. Spiele zum Wegwerfen! Kaum sind die Amerikaner raus aus dem Pariser Abkommen denkt keiner mehr an die Umwelt! Cat hat am wenigsten Skrupel und opfert sich: ein schnelles „Ratsch!“ besiegelt die Sache. Als direkt danach der erste Sticker auf das Brett geklebt wird, ist die Hemmschwelle bereits gesunken. Weitere sollten folgen.

Pandemic Legacy: zerrissene Karte
Und so beginnt es…

Die erste Partie läuft regeltechnisch eigentlich noch nicht so viel anders als jede beliebige Pandemie-Partie. Aber der Einsatz ist höher. Die Charaktere können durch Ausbrüche Narben erhalten, und sie können sogar sterben. Und wir haben ihnen Namen gegeben! Die Selbstlosigkeit, die Vanilla-Pandemie beherrscht, ist ein Stück weit dahin. Mein Gott, in Buenos Aires geht alles drunter und drüber, wir können doch Marie nicht allein mit diesen Irren lassen!

Pandemic Legacy Charakterkarte
An unserer Wissenschaftlerin ist der Januar nicht spurlos vorbeigegangen.

Das Spiel hat alles, was eine gute Partie Pandemie haben muss. Am Ende können wir den Sieg schon schmecken. Aber ein Spaziergang wird das nicht. Die frisch mutierte gelbe Krankheit macht uns arg zu schaffen. Nur noch meine Runde überleben, dann Ann-Katrins Runde, dann haben wir das Spiel in Cats Runde in der Tasche. Fast jeder gelbe Ausbruch würde uns eine Kettenreaktion bescheren, die uns das Spiel kosten wird. Ich ziehe Washington, Hong Kong, Los Angeles – vielleicht die einzige gelbe Stadt, die uns noch nicht um die Ohren fliegt. Die Hoffnung lebt. Ann-Katrin zieht die Wissenschaftlerin nach Südamerika, um einen der Krisenherde zu entschärfen. Und zieht die letzte Epidemie, die Kinshasa infiziert.

Verdammt. Kinshasa. Gelb. Und schon ein Würfel drauf. Die Kettenreaktion ist da. Khartum geht hoch. Lagos geht hoch. Johannesburg geht hoch. Sao Paulo und Buenos Aires ebenfalls. Wissenschaftlerin und Logistiker(in) gehen mit einer Narbe aus dem Spiel. Wir schauen aus Neugier auf die Karten im neugebildeten Infektionsstapel. Hätten wir überlebt. Man war das knapp!

Pandemic Legacy Spielbrett (Januar)
Das Spielbrett am Ende des 1. Januar-Spiels. Für die fälligen Anschlussausbrüche in Sao Paulo und Buenos Aires fehlten die gelben Würfel. Die acht Ausbrüche haben wir ohnehin schon vorher komplett gemacht.

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